Sonntag, 25. September 2016

Die fünf Punkte des Calvinismus



Völlige Verderbtheit/Unfähigkeit
Aufgrund des Sündenfalls beherrscht die Sünde den ganzen Menschen, sein Denken, seine Gefühle und seinen Willen. Daher ist der natürliche Mensch nicht fähig, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen, er ist geistlich völlig hilflos und verloren. Der Mensch kann Gottes rettende Botschaft erst verstehen, nachdem er durch den Heiligen Geist dazu befähigt wurde.
Bedingungslose Erwählung
Dies ist Calvins Prinzip der doppelten Prädestination. Die Erwählung zum Heil vollzieht sich nach Calvin wie folgt: Gott hat die Menschen in eine Gruppe der Auserwählten und eine der Nicht-Auserwählten geteilt. Für die Auserwählten hat Gott seine Erkenntnis bestimmt und die Auferstehung vorhergesehen. Die Übrigen bleiben unwissend bezüglich Gottes und des Evangeliums. Laut Calvin sind sie von Gott verdammt auf dem Weg in die ewige Hölle. Diese Entscheidung sei noch vor der Schaffung des Universums getroffen worden und somit erst recht vor der Geburt des einzelnen Menschen sowie vor irgendwelchen Entscheidungen, die der Mensch in seinem Leben trifft. Die Gründe, warum Gott einige erwählt hat, sind unbekannt. Es ist aber offensichtlich, dass das nicht aufgrund irgendwelcher guten Werke von Seiten des Erwählten geschehen ist. Die Erwählung ist insofern nicht an irgendwelche in der Person des Erwählten liegenden Bedingungen geknüpft.
Begrenzte Versöhnung/Sühne
Das ist der Glaube, dass Jesus Christus nicht gestorben ist, um alle Menschen zu retten. Sein Erlösungswerk ist nur an die auserwählten Sünder, die durch ihn gerettet sind, gerichtet.
Unwiderstehliche Gnade
Gemeint ist, dass man die Gnade der Erwählung nicht ausschlagen kann. Der Mensch hat in dieser Hinsicht also keinen freien Willen, da er tot ist in seinen Vergehungen und deswegen keinerlei Macht hat, sich für Gott zu entscheiden. Nur durch den Ruf Gottes kann der Mensch geistlich wieder zum Leben erweckt werden, und somit zu Gott kommen. Jeder Mensch, den Gott erwählt hat, werde Gott erkennen. Die Erwählten können dem Ruf Gottes nicht widerstehen.
Die Beharrlichkeit der Heiligen
Die einmal Geretteten werden gerettet bleiben. Es sei unmöglich, Gottes Gnade wieder zu verlieren. Diese „Beharrlichkeit“ wird mit dem Fachbegriff „Perseveranz“ bezeichnet.


Das Interessante an diesem besonderen Cargo-Kult ist, dass er einige Wahrheiten beinhaltet, wenn man erst einmal weiß, worum es bei dem ganzen religiösen Hokuspokus eigentlich geht. Um an dieser Stelle nicht alles wiederholen zu müssen, ist die Kenntnis des letzten Artikels die Grundvoraussetzung, um den weiteren Ausführungen folgen zu können:


Die Erbsünde (der in Genesis_3 mit genialen Bildern und Metaphern exakt umschriebene Privatkapitalismus) beherrscht tatsächlich "den ganzen Menschen, sein Denken, seine Gefühle und seinen Willen", solange das zivilisatorische Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) anhält. Sowohl alle Einzelnen als auch alle Nationalstaaten haben in einer globalen Zinsgeld-Ökonomie nur das Bestreben, auf Kosten anderer zu existieren (Zinsgewinner), damit andere nicht auf ihre Kosten existieren (Zinsverlierer). Eine dritte Möglichkeit, als die eigentliche Definition von Leben, ist ausgeschlossen. Und wenn wir als "der natürliche Mensch" den noch immer religiös verblendeten "Normalbürger" ansehen, so ist dieser "nicht fähig, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen" und ist – in der überwiegenden Mehrzahl als gewöhnlicher Zinsverlierer – "geistlich völlig hilflos und verloren". Dabei wollen wir unter "Evangelium" nicht die "Bildzeitung der Antike" (die vier biblischen Evangelien), sondern die originalen Worte des Jesus von Nazareth verstehen, die bis heute überliefert sind im letzten noch erhaltenen Exemplar des Thomas-Evangeliums, das 1945 als Bestandteil der Nag Hammadi Schriften (wieder-)gefunden wurde (und in der wissenschaftlichen Übersetzung im www nicht mehr ganz so leicht zu finden ist):


Die 114 Logien des Thomas-Evangeliums beschreiben mit unübertrefflicher Genialität den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" (Silvio Gesell, 1916), in der der Urzins ("Frucht vom Baum der Erkenntnis") auf Null geregelt ist und somit eine prinzipielle Übereinstimmung von Eigennutz und Gemeinnutz besteht. Das Wort "geistlich" bedarf ebenfalls einer Erläuterung. In der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis_11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften), deren erste Verfasser die wirkliche Bedeutung der Erbsünde = Privatkapitalismus kannten und die nicht zum Zweck des Moralverkaufs gegenständlich-naiv uminterpretiert wurde, steht der "Geist" (auch "Hauch", "Wind" oder "wehender Wind") für Geldbewegung bzw. Geldumlauf und "Seele" bedeutet Geldanspruch. Der gewöhnliche Zinsverlierer ist also hilflos und verloren, weil er aufgrund der systemischen Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz nicht seinen vollen Arbeitsertrag erhält und darum sein Leben nicht frei gestalten kann.
    Der ursprüngliche Gott des alten Testamentes ist der künstliche Archetyp Jahwe = Investor, den Jesus von Nazareth zum dreifaltigen Gott (Vater = Kreditangebot / Sohn = Kreditnachfrage / heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld) umprogrammierte, welcher die einzige Lösung (Erlösung) zur Überwindung der Erbsünde bereits enthält. Diese rettende Botschaft frühzeitig zu verstehen, fällt den religiös Verblendeten maximal schwer, sodass die allermeisten erst nach dem Jüngsten Tag (gesetzlich verbindliche Ankündigung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform) den Erkenntnisprozess der Auferstehung aus der religiösen Verblendung durchlaufen, wenn sie durch den täglichen Umgang mit konstruktiv umlaufgesichertem Geld praktisch erfahren, wie sich ihr Leben auf bis dahin unvorstellbare Weise verbessert.

Der "Gruppe der Auserwählten" (dem deutschen Volk) gelingt die Auferstehung schon vor dem Jüngsten Tag und die "Nicht-Auserwählten" begreifen die wahre Zivilisation erst später. In der Praxis wird das – hoffentlich – weniger dramatisch ablaufen, als es sich viele religiöse Spinner in den letzten zwei Jahrtausenden in ihrer kranken Phantasie ausgemalt haben:


Sobald die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) evident wird, bleibt Deutschland (Gog = Good Old Germany) als letzter "sicherer Hafen" für Geldersparnisse übrig, sodass sich die deutsche Volkswirtschaft noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten kann, während im "Rest der Welt" (Magog = manch anderes Land außer Good Old Germany) die öffentliche Ordnung zerfällt. Nur in diesem Zeitfenster kann – zuerst in Deutschland – die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft = Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) verwirklicht werden. Die Frage ist nun: Wie katastrophal muss es im "Rest der Welt" werden, bis zuerst im deutschen Volk die reale Angst vor dem Untergang der Zivilisation gegenüber der eingebildeten Angst vor dem "Verlust" der Religion überwiegt, und wie lange wird es dann dauern, bis der "Rest der Welt" sich an Deutschland ein Beispiel nimmt und begreift, dass ohne eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform nur noch das "Mad-Max"-Szenario und danach der Rückfall in die Steinzeit wartet. Allein davon hängt es ab, wie viele Menschen tatsächlich gerettet werden!
    Aufgrund der heutigen modernen Kommunikationsmittel gehe ich davon aus, dass auch im "Rest der Welt" die meisten überleben werden.

Wer die "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion" so weit durchlaufen hat, dass er nicht länger über ein "Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab" nachdenkt, kann danach nicht wieder in die religiöse Verblendung zurückfallen. Damit sind auch die beiden letzten Merkmale des calvinistischen Cargo-Kultes wissenschaftlich geklärt.


Stefan Wehmeier, 25.09.2016


Samstag, 24. September 2016

Die Bedeutung des Geldes



"Aufstieg und Verfall ganzer Kulturepochen stehen in engsten Beziehungen zu ihrem jeweiligen Geldwesen. Es mangelt durchaus nicht an geschichtlichen Beweisen, dass z. B. das römische Weltreich in erster Linie an den Mängeln seines Geldwesens zugrunde ging.
    Um die Macht und den ungeheuren Einfluss des Geldwesens auf die jeweilige Kulturgestaltung zu verstehen, müssen wir bedenken, dass das Geld die Voraussetzung der Arbeitsteilung und somit auch unserer hochentwickelten Technik ist. Wir müssen uns darüber klar sein, dass der größte Teil unserer heutigen Kulturvölker wiederum nur der Arbeitsteilung und der durch sie ermöglichten hohen Technik der Produktion und des Verkehrs überhaupt die Daseinsmöglichkeit verdankt. Ohne die Arbeitsteilung könnte z. B. das heutige Europa kaum den zehnten Teil seiner Bevölkerung ernähren, und auch dieser Rest würde nur ein kümmerliches und elendes Dasein gleich Wilden führen können. Denken wir uns also das Geldwesen und somit die Arbeitsteilung und die auf ihr beruhende hochentwickelte Technik hinweg, so wäre eine Katastrophe vorauszusehen, wie sie die Welt kaum jemals gesehen hat, und wenige Jahrzehnte würden bestimmt genügen, um die Überreste einst stolzer Kulturvölker um Jahrtausende zurück in die Barbarei zu schleudern.
    Die so hochentwickelte Arbeitsteilung beruht eben nur auf der Austauschmöglichkeit der Waren, Produkte und Leistungen. Und diesen millionenfach verschlungenen Austausch vermittelt einzig und allein das Geld! In der Urproduktion, wo jedermann alle Dinge, die er für sein primitives Leben gebrauchte, selbst herstellte und auch selbst verbrauchte, bedurfte es keines Geldes. Aber bereits bei den ersten Kulturanfängen stoßen wir auch sofort auf irgendein mehr oder weniger entwickeltes Geldwesen, welches allerdings je nach Land und Leuten verschieden war."

Georg Blumenthal (aus "Die Befreiung von der Geld- und Zinsherrschaft", 1916)

Ein ganzes Jahrhundert später hat die halbwegs zivilisierte Menschheit noch immer keine Ahnung vom elementaren Fehler im "Geld, wie es (noch) ist" (Zinsgeld) und keinerlei Vorstellung vom fehlerfreien "Geld, wie es sein soll" (Freigeld). Dabei sind alle Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen, auf das seit jeher fehlerhafte und gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommene Geld zurückzuführen. Mangelnde Intelligenz ist dafür nicht die Ursache, wenn man bedenkt, dass gewählte "Spitzenpolitiker", studierte "Wirtschaftsexperten", Banker oder Börsianer das Geld in der Regel noch weniger verstehen als der "Normalbürger", der immer dann über das "liebe Geld" nachdenkt, wenn es ihm wieder einmal fehlt.

Dem Geld gegenüber objektiv zu sein, fällt den meisten schwer, denn wer genug davon hat (Zinsgewinner), stellt es nicht in Frage, und wer zuwenig davon hat (Zinsverlierer), stellt zuerst alles andere in Frage. Auch Karl Marx stellte das Geld nicht in Frage und konnte darum dem Kapitalismus nichts anhaben. Im Gegenteil, eine Verstaatlichung der Produktionsmittel (Sachkapitalien) führt immer nur vom Privatkapitalismus in die gesteigerte Ausbeutungsform des Staatskapitalismus:


Der "Normalbürger" vermag zwischen Marktwirtschaft und Privatkapitalismus nicht zu unterscheiden und traut einem sozialistischen Politiker (Staatskapitalist) mehr Gerechtigkeitssinn zu als einem liberalen Politiker (Privatkapitalist), obwohl der Staatskapitalismus das schlimmere Übel ist. Hierzu muss man sagen, dass die Sozialisten bis zu einem gewissen Grad lernfähig sind, während die Liberalen sich zurückentwickelt haben. Die Ordoliberalen der 1950er Jahre wussten noch halbwegs zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus zu unterscheiden; die "modernen" Liberalen wissen gar nichts mehr. Auf der anderen Seite haben die Sozialisten mittlerweile eingesehen, dass sie die Marktwirtschaft nicht abschaffen können, und wollen stattdessen der zinsbedingten Umverteilung von arm zu reich (die sie nicht verstehen) mit einer wie auch immer verordneten "Umfairteilung" von reich zu arm entgegenwirken. Warum das nicht funktioniert, verstehen sie noch weniger, aber sie versuchen es immerhin:


Die Unfähigkeit der Politiker, den Kapitalismus zu verstehen oder überhaupt verstehen zu wollen, resultiert aus der Abschaffung der "hohen Politik", sobald die Marktwirtschaft durch eine gerechte Geld- und Bodenordnung vom Gegenprinzip des Privatkapitalismus befreit ist:


Die ganze politische Seifenoper lebt im Grunde nur davon, dass sie dem Wahlvolk immer wieder eine Abmilderung der zahlreichen Negativsymptome des Kapitalismus verspricht, ohne ihre Versprechen jemals einlösen zu können und ohne auch nur ansatzweise die Überwindung des Kapitalismus in Betracht zu ziehen – die längst hätte erfolgen können,…


…wenn man nur das Geld verstünde:


Des Rätsels Lösung kommen wir näher mit der Frage: Wie muss der Mensch ticken, der in einer kapitalistischen Marktwirtschaft (zivilisatorisches Mittelalter) "halbwegs glücklich" ist? Der "Normalbürger" darf die wesentlichen makroökonomischen Zusammenhänge, die zu systemischer Ungerechtigkeit führen, NICHT verstehen! Zumindest für den Zeitraum, in dem noch niemand weiß, wie die Marktwirtschaft vom Privatkapitalismus zu befreien ist. Dazu ist es zweckmäßig, die Wahrheit niederzuschreiben und das Geschriebene von einer Kaste berufsmäßiger Lügner immer wieder uminterpretieren zu lassen, bis das Volk die Wahrheit nicht mehr erkennt und auch gar nicht mehr erkennen will:

Himmel und Erde = Nachfrage (Geld) und Angebot (Waren)
Garten Eden / Paradies = freie (d. h. monopolfreie) Marktwirtschaft
Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
Baum des Lebens = Geldkreislauf
Baum der Erkenntnis = Geldverleih
Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
Gott (Jahwe) = künstlicher Archetyp: "Investor"
Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch
Frau / Eva = Finanzkapital / der in Sachkapital investierende Kulturmensch
Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer)
Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
Nachkommen der Schlange = Geldersparnisse
Nachkommen der Frau = neue Sachkapitalien
Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)
Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz)
Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus
Cherubim = Denkblockaden

Vor etwa 3200 Jahren war eine gezielte Programmierung des kollektiv Unbewussten die einzige Möglichkeit für den "Auszug der Israeliten aus Ägypten", der Weiterentwicklung der menschlichen Kultur vom Ursozialismus (zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld, z. B. vorantikes Ägypten) zur Marktwirtschaft. Solange niemand wusste, wie der Privatkapitalismus zu überwinden ist, musste diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" aus dem Begriffsvermögen des Volkes aktiv ausgeblendet werden, um erst einmal in die Marktwirtschaft hineinzukommen und mit einiger Sicherheit nicht wieder in die Primitivität des Ursozialismus zurückzufallen. Das – und nichts anderes – war (und ist noch) der wahre Zweck der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor), die vom Wahnsinn mit Methode (etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert war der israelitischen Priesterschaft die wirkliche Bedeutung der Erbsünde noch bekannt) zum Wahnsinn ohne Methode mutierte, spätestens mit der Gründung der "heiligen katholischen Kirche" im 4. Jahrhundert. Denn der Kapitalismus wäre nicht erst mit "Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform" (Silvio Gesell, 1906), sondern schon seit Jesus von Nazareth zu überwinden gewesen:


"Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham."

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.

Nietzsches Zarathustra ist der Prophet Jesus von Nazareth, wie er wirklich war,…


… und der "Übermensch" ist der eigenverantwortliche Kulturmensch in der bevorstehenden Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft):


Eine schmerzliche Scham ist es, bis heute zu glauben, die Marktwirtschaft sei ein "Obstgarten" und leistungslose Kapitaleinkommen müssten wohl auf "Apfelbäumchen" wachsen – und damit auch das Gelächter nicht zu kurz kommt, müssen wir nur einige originale Gleichnisse des berühmten Propheten…

(NHC II,2,016) Vielleicht denken die Menschen, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen.
(NHC II,2,030) Wo drei Götter sind, sind sie Götter; wo zwei oder einer sind, - ich bin mit ihm.
(NHC II,2,044) Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.
(NHC II,2,055) Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine Brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.
(NHC II,2,105) Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.
(NHC II,2,106) Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: "Berg, hebe dich hinweg!", wird er verschwinden.

Mutter = Summe aller Ersparnisse
Hure = Finanzkapital
Brüder und Schwestern = Sachkapitalien
Berg = Rentabilitätshürde des Urzinses
Vater (der Kultur) = Kreditangebot
Sohn = Kreditnachfrage
heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld (heilig = gesichert; Geist = Geldumlauf)

…mit dem Unsinn vergleichen, der von der "heiligen katholischen Kirche" verbreitet wurde:

(Matthäus 10,34-35) Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.
(Matthäus 18,20) Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
(Lukas 12,10) Und wer ein Wort gegen den Menschensohn sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben werden.
(Matthäus 10,37-38) Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert.
(unwissenschaftliche Übersetzung / "moderne" theologische Interpretation von NHC II,2,105) Wer den Vater und die Mutter kennt, kann der Sohn einer Hure genannt werden?
(Matthäus 18,19) Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. (Matthäus 17,20) Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Unsere ganze "moderne Zivilisation" ist ein Cargo-Kult, wobei es sich beim "Cargo" nicht einmal um eine originale Heilige Schrift handelt, sondern um die "Bildzeitung der Antike" (die vier biblischen Evangelien). Von der anfänglichen Vielzahl urchristlicher Strömungen blieb die dümmste erhalten, die sich nicht damit begnügte, sich zielsicher die dümmsten Schriften herauszusuchen, sondern auch die anderen urchristlichen Schriften, die noch Wissen (Gnosis) enthielten, für "häretisch" (gotteslästerlich) erklärte und verbrannte. In diesem Cargo-Kult "halbwegs glücklich" zu sein, ist die ganz hohe Kunst kollektiver Verblendung (klingt besser als "Verblödung", wenn auch an dieser Stelle austauschbar).

Warum eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in "God´s own country" schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld noch immer nicht verstanden hat, sollte jetzt klar sein – oder auch nicht, wenn der verehrte Leser es vorzieht, bis auf weiteres in Verblödung zu bleiben.


Bis die Tage…

Stefan Wehmeier, 24.09.2016


Samstag, 3. September 2016

Das Ende der Sklaverei


"War es früher erforderlich, Sklaven, das heißt persönlich unfreie Menschen, zu halten, um sie auszubeuten, so bringt die Zinswirtschaft das Kunststück fertig, den Menschen sämtliche persönlichen und politischen Freiheiten zu gewähren und sie trotzdem auszubeuten. Obgleich Zinsnehmer und Zinszahler (angeblich) rechtlich einander gleichgestellt und ebenbürtig sind, vermag der eine sich die Früchte der Arbeit des anderen anzueignen. Diese legalisierte Ausbeutung beruht, wie gesagt, auf dem Vorhandensein von Monopolen. An die Stelle des Sklavenhalters ist im modernen Rechtsstaat der Zinsbezieher, an die Stelle des Sklaven der Zinszahler getreten. Die Ausbeutung erfolgt nicht mehr unmittelbar durch die Aneignung der Arbeit des Sklaven, sondern mittelbar durch das Monopol. Es ist begreiflich, dass die Sklaverei für die Ausbeuter uninteressant wurde, seitdem man die wirtschaftliche Unfreiheit der Auszubeutenden – diese einzige Voraussetzung einer jeden Ausbeutung – anstatt durch persönliche Freiheitsberaubung durch die Monopole zu erzielen vermochte."

Otto Valentin (aus "Die Lösung der Sozialen Frage", 1952)

Die Sklaverei hat sich in der Geschichte nicht verringert, sondern immer weiter erhöht. Das gilt ebenso für die Dummheit, denn während die persönlich Unfreien früherer Zeiten noch wussten, dass sie Sklaven waren, gilt für die wirtschaftlich Unfreien der Gegenwart:

"Milliarden Menschen leben einfach vor sich hin – und haben keine Ahnung."

Agent Smith (aus dem Film "Matrix")

Bedauerlicherweise kann man niemandem erklären, was die Matrix ist, denn eine bis heute bestehende Programmierung des kollektiv Unbewussten macht dem Matrix-Bewohner die Basis allen menschlichen Zusammenlebens (Makroökonomie) und die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung (Geld) weitgehend unverständlich. Noch gesteigert wird das Unverständnis, wenn sich der Matrix-Bewohner in eine Universität einweist, um dort VWL oder eine andere "Wissenschaft" zu studieren, die sich direkt oder indirekt mit dem menschlichen Zusammenleben befasst (Theologie, Politologie, Soziologie, etc.). Kommt er mit einer "Lizenz zum Unsinn verbreiten" wieder heraus, ist er mit soviel "negativem Wissen" (Vorurteile und Denkfehler) belastet, dass er bis zum Jüngsten Tag gar nichts mehr versteht:


Die Grundprogrammierung besteht darin, die im Folgenden aufgeführten Metaphern auf der linken Seite mit irgendetwas anderem (vermeintlicher "Unsinn" mit eingeschlossen) in Verbindung zu bringen als ihrer wirklichen Bedeutung auf der rechten Seite:

Himmel und Erde = Nachfrage (Geld) und Angebot (Waren)
Garten Eden / Paradies = freie Marktwirtschaft
Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
Baum des Lebens = Geldkreislauf
Baum der Erkenntnis = Geldverleih
Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
Gott (Jahwe) = künstlicher Archetyp: "Investor"
Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch
Frau / Eva = Finanzkapital / der in Sachkapital investierende Kulturmensch
Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer)
Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
Nachkommen der Schlange = Geldersparnisse
Nachkommen der Frau = neue Sachkapitalien
Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)
Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz)
Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus
Cherubim = Denkblockaden
Kain = marktwirtschaftlicher Ackerbau
Abel = marktwirtschaftliche Viehzucht
Sintflut = Hyperinflation

Der Matrix-Bewohner glaubt tatsächlich, dass Zinsen auf "Apfelbäumchen" wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus, Bürger- und Völkerkriege scheinen "naturgegeben" und werden einer hypothetischen "Sündhaftigkeit des Menschen" angelastet. Einziges Mittel, das Unrecht wenigstens gefühlsmäßig zu kompensieren, ist die Rache, ob in der direkten Form so genannter Eigenjustiz, oder unter dem Deckmantel staatlicher Strafgesetze. Dabei wäre dieser Unfug nicht erst seit "Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform" (Silvio Gesell, 1906), sondern schon seit Jesus von Nazareth zu beenden gewesen:

"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn.' Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

Eine Rachegesellschaft ändert sich aber nicht zum Positiven, solange sie ihren Propheten für einen Idioten hält. Sie wird nur noch verlogener, wie schon Friedrich Nietzsche in "Der Antichrist" scharfsinnig ausführte. Die wahre Bedeutung von (Matthäus_5,38-41) wird erkennbar, wenn wir den Bibeltext mit dem folgenden Zitat von Silvio Gesell vergleichen:

"Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

Wer jetzt nicht mit dem Denken anfängt, sondern dummer Weise zu widersprechen versucht, um das größte Genie aller Zeiten weiterhin für einen Idioten zu halten, darf sich von Nietzsche erklären lassen, wozu er gehört:

"Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, - ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…"

Die exakte wissenschaftliche Begründung dafür, dass dieses Urteil angemessen ist, findet sich in der "Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung" (1952) von Dr. Ernst Winkler:


In welchem Ausmaß der Cargo-Kult des Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute "christlich" nennt) die halbwegs zivilisierte Menschheit verdorben hat, lässt sich kaum noch in Worte fassen. Anders herum sprengt es jedes Vorstellungsvermögen, wo wir heute sein könnten, wäre das "Königreich des Vaters" bereits in der Antike verwirklicht worden:


"Besser spät als nie" trifft auf die Befreiung der Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus mit Sicherheit zu. Aber wie spät darf die freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform erfolgen, bevor es dafür "zu spät" ist? Gegenwärtig befinden wir uns in der – beginnenden – globalen Liquiditätsfalle (Armageddon). Wird sie evident, bricht der Zinsgeld-Kreislauf zusammen – und damit die gesamte Arbeitsteilung:


Was im Herbst 2008 passierte, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns heute unmittelbar bevorsteht. Der wirtschaftliche Zusammenbruch erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle >> Deflation >> Hyperinflation (Sintflut). Alle Maßnahmen der "hohen Politik" (Erhöhung der Staatsverschuldung und Geldmengenausweitung), die das Elend verlängern, können die kommende Deflationsphase nur verkürzen. Die gesetzlich verbindliche Ankündigung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform muss bis zum Ende der Deflationsphase erfolgen, danach bricht die öffentliche Ordnung komplett zusammen und wäre dann nicht mehr zu reparieren. Wahrscheinlich bleibt daher nur ein Zeitfenster von Monaten oder Wochen, und wer erst dann mit dem Denken anfängt, hat schon verloren.

"Zunächst muss daher allgemein erkannt und anerkannt werden, dass bei den gegenwärtigen Geldordnungen ein grundlegender und gravierender Fehler vorliegt, der die gesamte Gesellschaft destabilisieren wird."

An Universitäten (Verdummungsanstalten) hört man davon selbstverständlich nichts, denn:

"Ich sah, dass den meisten die Wissenschaft nur etwas ist, insofern sie davon leben, und dass sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben."

Johann Wolfgang von Goethe

Der erste Irrtum dieser Art ist der Glaube an "gut" und "böse". Ist es "gut", die andere Backe hinzuhalten? Nein, es ist dumm und verhindert mit Sicherheit keinen Krieg, denn der Zweck des Krieges ist eine umfassende Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten:


Um den Kriegsgrund zu beseitigen, muss die Volkswirtschaft auch dann funktionieren, wenn der Kapitalmarktzins unter die bisherige Liquiditätspräferenzgrenze von etwa 3% absinkt. Dazu bedarf es einer konstruktiven Geldumlaufsicherung, damit sich die Sachkapitalien (Häuser, Fabriken) soweit vermehren, bis sie ihre Kapitaleigenschaft verlieren und der Kapitalzins langfristig um Null pendelt. Die "Frucht vom Baum der Erkenntnis" ist nicht zu verbieten, sondern muss durch vollkommenen Wettbewerb (wahre Nächstenliebe) auf Null geregelt werden! Das schon vor zwei Jahrtausenden erkannt zu haben, machte den Propheten Jesus von Nazareth zur berühmtesten Persönlichkeit der Welt, auf der bis heute die planetare Zeitrechnung basiert. Die "heilige katholische Kirche" zog es jedoch vor, aus Jesus einen moralisierenden Wanderprediger zu machen, weil sich eine "Moral" an die Dummen immer besser verkauft als eine Erkenntnis und es die Dummen schon immer (bzw. solange die Religion besteht) in ausreichender Zahl gegeben hat:


Die typischen Vorurteile des Matrix-Bewohners, der alle Argumente ignoriert, um sich weiterhin in Lethargie zu üben, sind an dieser Stelle:

  1. "Was hat denn die Religion mit Makroökonomie zu tun?"
  2. "So schlimm wird das schon nicht werden…"
  3. "Und außerdem bin ich nicht religiös."

Das dritte Vorurteil beweist schon das Gegenteil, denn der eigentliche Zweck der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe=Investor) besteht gerade darin, dass der Matrix-Bewohner die Makroökonomie NICHT versteht. Das Geschwätz der Priester ist dafür nur Mittel zum Zweck. Auch wenn die "Geistlichen" (mittlerweile hochgradig Geisteskranken) schon lange nicht mehr wissen, was sie tun, erfüllen sie noch immer ihren Zweck, weil es egal ist, welchen Unsinn die Priester predigen; Hauptsache, die wirkliche Bedeutung der Erbsünde=Privatkapitalismus bleibt dadurch im Verborgenen:


Das zweite Vorurteil bleibt bestehen, bis die Situation wirklich schlimm wird,…


…und das erste Vorurteil wird solange wiederholt, bis die reale Angst vor dem Untergang der Zivilisation gegenüber der eingebildeten Angst vor dem "Verlust" der Religion überwiegt. Angenommen, morgen ginge nichts mehr, würde der Matrix-Bewohner erst übermorgen die Lage zu begreifen beginnen, und dann ginge gar nichts mehr. Wie schaffen wir also eine Situation, in der ein ganzes Volk den Zivilisationsuntergang vor Augen hat, aber dennoch die öffentliche Ordnung soweit bestehen bleibt, bis auch die Allerdümmsten (Politiker) die Lage begriffen haben? Glücklicherweise ist diese Situation schon vorbereitet:

We're a ship without a storm, the cold without the warm
Light inside the darkness that it needs
We're a laugh without a tear, the hope without the fear
We are coming – HOME!

DIO (The Last In Line, 1984)

Dass wahre Poesie immer eine wahre Geschichte über die Zukunft erzählt, ist für einen an Naturwissenschaft und Technik orientierten Menschen erst einmal schwer zu verstehen und erfordert ein erweitertes Weltbild (siehe: M. Talbot: Das holographische Universum) – das wir wohl erst in der Natürlichen Wirtschaftsordnung zu verstehen beginnen. Das "Licht in der Dunkelheit" ist das deutsche Volk in der europäischen Währungsunion, und diese ist die "Dunkelheit, die es braucht", damit es überhaupt die Möglichkeit zur Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung geben kann! Im Nachhinein betrachtet hat die EWU – bevor sie demnächst wieder aufgelöst wird – nur den einzigen Zweck, dass sich Deutschland als Zinsgewinner auf Kosten aller europäischen Zinsverlierer soweit bereichert, dass es als letzter "sicherer Hafen" für Geldersparnisse übrig bleibt, sobald die globale Liquiditätsfalle evident wird. Die deutsche Volkswirtschaft wird sich somit noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können, während im "Rest der Welt" die öffentliche Ordnung zerfällt. Nur in diesem begrenzten Zeitfenster kann vom deutschen Volk ausgehend – das es dann hoffentlich vorzieht, die eigenen Köpfe anzustrengen, statt fremde Köpfe einzuschlagen – die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) verwirklicht werden:


Das erscheint zunächst als eine Umkehrung der Kausalität, da die "Währungsunion" von der politischen Seifenoper ins Leben gerufen wurde, die ein anderes Ziel verfolgt, nämlich den Staat als eine "Anstalt zur zwangsweisen Einziehung des arbeitslosen Kapitaleinkommens" zu erhalten. Die Mitspieler der politischen Seifenoper wissen aber nicht, was sie tun; sie werden komplett vom "lieben Gott" im kollektiv Unbewussten gesteuert, unabhängig von "Glaube" (Cargo-Kult) oder "Unglaube" (Ignoranz).

So verhält es sich mit der Welt: Die Menschen erschaffen Götter und sie verehren ihre Schöpfungen. Es wäre angemessen, dass die Götter die Menschen verehren, wie es der Wahrheit entspricht.

(Nag Hammadi Library / Philippusevangelium / Spruch 85)

Aufgrund der atomaren Abschreckung, die der "hohen Politik" eine weitere umfassende Sachkapitalzerstörung zur Anhebung des Zinsfußes verwehrt, ist die einzige "Alternative" zur Natürlichen Wirtschaftsordnung der Rückfall in die Steinzeit. In dieser hätte aber auch der "liebe Gott" nichts verloren, denn der künstliche Archetyp Jahwe=Investor kann nur in einer Zinsgeld-Ökonomie bestehen. Also kann sich der veraltete Archetyp verabschieden und damit den Weg freimachen für den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation,…


…der schon lange auf sich warten lässt:


"Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluss die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat. Der unumstößliche Beweis kann von einem geübten Zuhörer angenommen worden sein, aber das Unbewusste in ihm wird ihn schnell zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen. Sehen wir ihn nach einigen Tagen wieder, wird er aufs Neue mit genau denselben Worten seine Einwände vorbringen. Er steht tatsächlich unter dem Einfluss früherer Anschauungen, die aus Gefühlen gewachsen sind; und nur sie wirken auf die Motive unserer Worte und Taten."

Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

Nichts anderes bezweckt die Religion, als dass sie den Massenmenschen immer wieder "zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen" muss. In einer durch und durch verlogenen Rachegesellschaft führt der Pfad der Erkenntnis zuerst in die Vereinsamung…


…und wer den Erkenntnisprozess der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion" soweit durchlaufen hat, dass er nicht länger über ein "Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab" nachdenkt, kommt sich vor wie der einzig Vernünftige in einer Horde Durchschnittsidioten, die sich von berufsmäßigen Vollidioten regieren lässt:


Das muss man ertragen können, um nicht länger Sklave zu sein:



Stefan Wehmeier, 03.09.2016



Donnerstag, 14. Juli 2016

Positives und negatives Wissen



„Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.“

Bertolt Brecht

Die Ware wird mit Geld gekauft und, mit Urzins belastet, an den Verbraucher gegen Geld wieder verkauft. Und mit dem Verkauf der Ware ist das Geld wieder frei für einen neuen Beutezug. Das ist der wirkliche Inhalt der Marxschen Formel G.W.G'.
    Der Urzins, den das Geld auf solche Weise von den Waren erhebt, ist also keine einmalige Beute. Der Urzins ist eine dauernd sprudelnde Quelle, und die Erfahrung von Jahrtausenden zeigt, dass man mit einer durchschnittlichen Beute von 4 oder 5% des jährlichen Umsatzes rechnen kann.
    Der Zins, den der Kaufmann in unmittelbarem Verkehr mit der Ware von dieser erhebt, - das ist der wahre und volle Urzins. Das, was der Kaufmann seinem Gläubiger von diesem Zins abliefert, das ist der Urzins abzüglich Erhebungskosten. Wie auch das Wegegeld, das der Schlagbaumpächter an den Staat abliefert, nicht das volle Wegegeld ist.
    Wenn man nun mit dem Geld Ziegelsteine, Kalk, Träger usw. kauft, nicht, um diese als Ware wieder zu verkaufen, sondern um ein Miethaus zu bauen, so verzichtet man freiwillig auf die Wiederkehr des Geldes, auf die sprudelnde Zinsquelle. Man hat dann wohl ein Haus, aber kein Geld, keine Zinsquelle. Aber auf ein solches Kleinod verzichtet man selbstverständlich nur unter der Bedingung, dass das Miethaus nun seinerseits den Zins einbringen wird, den das zu seinem Bau nötige Geld erfahrungsgemäß jederzeit im Warenhandel einbringt. Kann das Geld von den Waren aufs Jahr verteilt 5% erheben, so muss auch das Haus von den Mietern, das Schiff von den Frachtgütern, die Fabrik von den Löhnen die gleiche Abgabe erheben können, sonst bleibt das Geld einfach auf dem Markt bei den Waren, und das Haus wird nicht gebaut.
    Das Geld stellt also für das Zustandekommen eines Hauses, einer Fabrik usw. die selbstverständliche Bedingung, dass das Haus von den Mietern, die Fabrik von den Arbeitern, das Schiff von den Frachten denselben Zins zu erheben vermag, den es selber von den Waren jederzeit einziehen kann. Kein Zins = kein Geld für Häuser, Fabriken, Schiffe. Und ohne Geld, wie soll da jemand die tausend verschiedenen Gegenstände zusammentragen und zusammenfügen, die für ein Schiff, eine Fabrik, ein Haus nötig sind? Es ist ganz undenkbar, dass ohne Geld ein Haus usw. zustande komme. Und so besteht auch das Grundkapital jedes kapitalistischen Unternehmens aus einer Summe Geld. Für alle die Millionen Miethäuser, Fabriken, Schiffe usw. gilt das Wort: Im Anfang war das Geld.
    Wenn aber das Geld sich nicht hergibt für den Bau von Häusern, falls diese nicht den gleichen Zins, den das Geld von den Waren erhebt, erzielen können, so ruht die Bautätigkeit, und der alsbald einsetzende Mangel an Häusern treibt dann den Mietzins herauf, genau wie der Mangel an Fabriken den Lohn drückt.
    Also muss es gesetzmäßig dahin kommen, dass die Häuser, Schiffe, Fabriken, kurz, das gesamte so genannte Realkapital den gleichen Zins einträgt, den das Geld dem Warenaustausch als Urzins aufbürden kann.
    Die Häuser, Fabriken, Maschinen usw. sind Kapital. Sie erheben den Zins nicht wie die Ware als Kassenbote, um ihn an den Geldbesitzer abzuliefern, sondern für den Besitzer des Hauses. Aber diese Macht stützt sich nicht auf Eigenschaften dieser Dinge, sondern darauf, dass das Geld, genau wie bei den Waren, die Marktlage für die Erhebung des Zinses vorbereitet. Das Verhältnis der Wohnungen zu den Mietern, der Schiffe zu den Frachtgütern, der Arbeiter zu den Fabriken, wird vom Geld immer künstlich, gesetz- und zwangsweise so gestaltet, dass die Mieter und Arbeiter (die Nachfrage) einem ungenügenden Angebot (Wohnungen, Fabriken) gegenüberstehen.
    Das herkömmliche, vom Staat verfertigte Geld (Tauschmittel) schützt alle vorhandenen Häuser vor einem den Zinsertrag schmälernden Mitbewerb neuer Häuser. Das Geld wacht mit Eifersucht darüber, dass seine Geschöpfe nicht entarten. Geld wird immer nur zum Bauen von soviel Häusern hergegeben, dass deren Zinsertrag nie unter den Urzins fallen kann. Dies wird durch eine jahrtausendelange Erfahrung bestätigt.
    Das so genannte Realkapital (Sachgut) ist also eigentlich nichts weniger als real. Das Geld allein ist das wirkliche Realkapital, das Urkapital. Alle anderen Kapitalgegenstände (Sachgüter) sind durchaus von der Beschaffenheit des Geldes abhängig, sind dessen Geschöpfe, sind vom Geld in den Adel-, in den Kapitalstand erhoben worden. Nimmt man dem Geld das Vorrecht, dem Volk den Bau neuer Häuser zu verbieten, reißt man das Wehr ein, das vom Geld zwischen den Arbeitern und den so genannten Realkapitalien errichtet wird, so wächst das Angebot dieser Dinge, und sie verlieren ihre Eigenschaft als Kapital.
    Es klingt ja fast ungeheuerlich, und man muss seiner Sache sicher sein, wenn man die Behauptung aufstellt, dass die Häuser, Fabriken, Schiffe, Eisenbahnen, Theater, Elektrizitätswerke, kurz, das gewaltige, düstere Meer, das man z. B vom Berliner Kreuzberg aus überschaut, nur darum Kapital ist und Kapital sein muss, weil das Geld Kapital ist. Dieses ungeheure Meer, das sicherlich das Geldkapital (gemeint ist die Zentralbank-Geldmenge, nicht die angelegten Geldvermögen bzw. die Forderungen auf Geld) 100-mal überragt, brächte nur darum Zins ein, weil das Geld es so will? Das klingt doch gewiss unwahrscheinlich.
    Aber das Unwahrscheinliche erscheint uns sofort ganz annehmbar, wenn wir bedenken, dass unser herkömmliches Geld uralt ist, dass es seit 3000 Jahren ganz selbsttätig und gesetzmäßig den Bau von Häusern usw. immer künstlich so weit beschränkte, dass die Nachfrage stets größer als das Angebot war und so die Häuser Kapital blieben.
    Um das Unwahrscheinliche zu begreifen, müssen wir an die wirtschaftliche Eiszeit, als die wir das Mittelalter bezeichneten, an die tausend Wirtschaftskrisen denken, die das Geld seitdem erzwungen hat. Die Milliarden und Abermilliarden an Realkapital, die im Laufe der Zeit durch erzwungene Arbeitslosigkeit nicht erstanden sind, erklären das Unwahrscheinliche.
    Der Mangel an Häusern, Schiffen, Fabriken usw., der im Zinsertrag dieser Gegenstände in die Erscheinung tritt, ist das Ergebnis einer seit Jahrtausenden ununterbrochen wirkenden Ursache.
    Wenn die Volksmassen während der Krisenjahre 1873 bis 1878, statt zu feiern und zu hungern, Häuser und Maschinen hätten bauen dürfen, ob da nicht unter dem Druck des Angebots der Hauszins gefallen wäre? Und das waren nur fünf Jahre! Dabei darf man nicht vergessen, dass die anderen Ursachen der Wirtschaftskrisen, die wir im ersten Teil des Buches besprachen, unabhängig vom Zins in der gleichen Richtung (Beschränkung und Verhinderung des Tausches) wirken.
    Es ist also klar: das so genannte Realkapital muss Zins abwerfen, weil es nur durch Ausgeben von Geld zustande kommen kann, und weil dieses Geld Kapital ist. Das Realkapital besitzt nicht, wie das Geld, eigene zinserpressende Machtmittel. Es handelt sich bei diesen so genannten Realkapitalien, genau wie bei den Waren, um vom Geld eigens zu diesem Zweck geschaffene und erzwungene Marktverhältnisse, um eine selbsttätig wirkende, künstliche Beschränkung in der Erzeugung so genannter Realkapitalien, so dass deren Angebot niemals die Nachfrage decken kann.
    Gesetzmäßig erzeugt das herkömmliche, vom Staat abgestempelte und verwaltete Geld durch erzwungene Arbeitslosigkeit die besitz- und obdachlose Menge, das Proletariat, dessen Dasein die Voraussetzung für die Kapitaleigenschaft der Häuser, Fabriken, Schiffe ist.
    Das Geld ist für das Zustandekommen dieser Sachgüter (Realkapitalien) unentbehrlich, und ohne Zins gibt es kein Geld. Ohne Proletariat gibt es aber kein Realkapital. Folglich muss auch die Unentbehrlichkeit des Geldes das für den Zins der Realkapitalien und den Umlauf des Geldes unentbehrliche Proletariat erzeugen.
    Das Geld schafft das Proletariat, nicht weil die Zinslasten das Volk um Hab und Gut bringen, sondern weil es das Volk gewaltsam daran hindert, sich Hab und Gut zu schaffen.
    Man braucht also für die Herkunftserklärung des Proletariats nicht zu dem verzweifelten Ausweg der so genannten geschichtlichen Erklärung zu greifen, denn das Proletariat ist eine gesetzmäßig sich einstellende Begleiterscheinung des herkömmlichen Geldes. Ohne Proletariat kein Zins der Realkapitalien, ohne Zins kein Geldumlauf, ohne Geldumlauf kein Warenumsatz, und als Folge davon Verarmung.
    In anderen Zeiten hat das Schwert zweifellos an der Schaffung des Proletariats kräftig mitgewirkt. Auch Thron (Gesetze) und Altar sind fleißig daran beteiligt gewesen. Auch heute noch sucht man die Grundrente unter den Schutz der Gesetze zu stellen und durch Kornzölle dem Volk die Waffen zu entreißen, die es sich für den Kampf gegen die Grundrente in Form von Schiffen, Eisenbahnen und landwirtschaftlichen Maschinen geschmiedet hat. (Siehe Teil I.) Dem Recht auf Arbeit und Brot stellt man das Recht auf Grundrente entgegen. Aber auch ohne diese Hilfe wäre das Kapital nicht um einen einzigen Proletarier ärmer. Wäre die Hilfe von Schwert und Gesetz ausgeblieben, so hätten wir an deren Stelle ein paar Wirtschaftskrisen, einige tausend überschüssige Arbeiter mehr gehabt. Das Geldkapital braucht nicht Schwert und Gesetz, um das nötige Proletariat für die Realkapitalien zu schaffen; es trägt die dazu nötigen Kräfte in sich selbst. Mit der Wucht einer Naturkraft schafft es sie. Zinsgeld und Proletarier sind unzertrennlich.
    Das so genannte Realkapital besteht sicher aus sehr realen und unentbehrlichen Gegenständen, aber als Kapital sind diese Gegenstände nichts weniger als real. Der Zins, den sie heute abwerfen, ist ein Geschöpf des Urkapitals, des Geldes.

Silvio Gesell (Die Übertragung des Urzinses auf das Realkapital, 1916)

Wer im (noch) bestehenden zivilisatorischen Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) eine Karriere als berufsmäßiger Vollidiot (Theologe, Politiker, Soziologe, Volkswirtschaftler) anstrebt, darf diese einfachen makroökonomischen Zusammenhänge nicht nur nicht verstehen, sondern muss auch noch über ein ausreichendes Arsenal an „Gegenargumenten“ (glaubhafte Vorurteile) verfügen, um von allen Durchschnittsidioten als „Experte“ auf seinem jeweiligen Fachgebiet anerkannt zu werden. Ein Studium der Theologie-, Politik-, Soziologie-, VWL-„Wissenschaft“ an einer staatlichen Universität (Verdummungsanstalt) besteht im Grunde nur darin, sich diese „Gegenargumente“ zur makroökonomischen Realität anzueignen.

Ohne sich inhaltlich damit befassen zu müssen (reine Zeitverschwendung), lässt sich der ganze Unsinn als „negatives Wissen“ zusammenfassen. Darunter fallen alle Vorurteile und Denkfehler, die nötig sind, um „diese Welt“ (das zivilisatorische Mittelalter) als die „beste aller möglichen Welten“ anzusehen und nicht ansatzweise darüber hinaus zu denken. Wenn ein von negativem Wissen Beeinflusster sich „kritisch“ gibt, denkt er in der Regel nicht nach vorn (Marktwirtschaft ohne Privatkapitalismus), sondern in die Gegenrichtung, d. h. in Richtung Marxismus (Staatskapitalismus ohne Marktwirtschaft). Dahinter verbirgt sich der noch immer weit verbreitete Aberglaube, es müsse durch Befehl von oben etwas zu „regeln“ sein, was tatsächlich nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte (Nachfrage und Angebot) nicht selbst regelt.

Der Ursprung allen heutigen negativen Wissens ist die Religion, die Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe = Investor, die vor Urzeiten erforderlich war, um vom Ursozialismus (zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld, z. B. vorantikes Ägypten) zur Marktwirtschaft (Paradies) mit Geldkreislauf („Baum des Lebens“) zu gelangen. Die Programmierung besteht im Wesentlichen darin, die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ für alles andere zu halten als das, was sie ist, nämlich der Urzins nach Silvio Gesell, bzw. die Liquiditäts(verzichts)prämie nach John Maynard Keynes:


Als ein selbständig denkender Mensch sollte man denken, dass ein (noch) nicht selbständig denkender Mensch (Untertan) unverzüglich mit dem Denken anfängt, wenn er nur den letzten Textabschnitt gelesen hat. Das ist jedoch falsch gedacht, denn die Hauptsorge des Untertanen ist es, Untertan zu bleiben. Es wird sofort das ganze gespeicherte Arsenal an negativem Wissen herangezogen, um irgendein glaubhaftes Vorurteil zu finden, warum die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ alles andere, aber keinesfalls der Urzins sein kann. Dem Untertan ist es nicht möglich, diese im Nachhinein betrachtet banalste Selbstverständlichkeit zunächst als ein Axiom (noch unbewiesene Annahme) aufzufassen, um dann methodisch zu überprüfen, ob sich daraus sinnvolle Schlussfolgerungen ergeben. Stattdessen erscheint es dem Untertanen „sinnvoll“, dass die Heilige Schrift alles andere umschreibt, aber niemals die Basis allen menschlichen Zusammenlebens (Makroökonomie) und die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung (Geld).  

Es ist verständlich, dass das menschliche Zusammenleben nicht funktioniert, solange das Geld nicht funktioniert. Doch anstatt das a priori fehlerhafte „Geld, wie es (noch) ist“ (Zinsgeld) durch das fehlerfreie „Geld, wie es sein soll“ (Freigeld) zu ersetzen und das private Bodeneigentumsrecht durch ein allgemeines Bodennutzungsrecht (Freiland), um damit nichts Geringeres als den wahren „Himmel auf Erden“ (Nachfrage äquivalent Angebot) zu verwirklichen (was schon seit der Erstveröffentlichung von „Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform“ (Silvio Gesell, 1906) möglich gewesen wäre), glaubt der Untertan bis heute an eine eingebildete „Sündhaftigkeit des Menschen“, um sich vordergründig Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg erklären zu können und vor allem, um weiterhin Untertan bleiben zu dürfen.

(Nag Hammadi Codex II,3,21) Diejenigen, die sagen: "Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden", sind im Irrtum. Denn er ist zuerst auferstanden und dann gestorben. Wenn jemand nicht zuerst die Auferstehung erwirbt, wird er sterben.

Obwohl Silvio Gesell nicht wusste, dass die in der Genesis mit genialen Bildern und Metaphern exakt umschriebene Erbsünde der Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten) ist, kam er ganz unabhängig von der originalen Heiligen Schrift (die Bibel bis Genesis 11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften) zu dem gleichen Ergebnis wie Jesus von Nazareth,…


…auch ohne den Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“ durchlaufen zu haben. Sicher, Silvio Gesell war ein Genie und das ist nicht von jedem zu erwarten. Doch andererseits: Wie verdummt müssen Untertanen sein, um sich von einer mittlerweile hochgradig geisteskranken Priesterschaft die Auferstehung bis heute als ein „Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab“ verkaufen zu lassen?

„Glaube ist Wissen“, sagt der Pfaffe, und meint damit negatives Wissen – wobei der Pfaffe auch das nicht weiß. Die letzten Priester, die noch etwas wussten, waren jene, die im 6. vorchristlichen Jahrhundert den heute „ersten“ Schöpfungsmythos vor den ursprünglichen „zweiten“ setzten und damit den Krieg zum Vater aller Dinge machten:


Wann endet der Krieg? Sobald das Volk begriffen hat, dass Dummheit ein gefährlicherer Feind des Guten ist als Bosheit: Behandlung eines Privatpatienten

Stefan Wehmeier, 15.07.2016