Freitag, 1. Mai 2020

Vater aller Dinge


"Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien."

Heraklit (ca. 550-460 v. Chr.)

Wer heute Aktien kauft, geht davon aus, dass nach der "Corona-Pandemie" das Zinsgeld wieder schneller umläuft und dann, aufgrund der vergrößerten Geldmenge, eher eine Inflation zu erwarten wäre. Ein fataler Irrtum, der für den Möchtegern-Aktionär umso fataler wird, je länger er noch zögert, seine Aktien zu verkaufen. Der Irrtum beruht auf einer fundamentalen Täuschung des gesunden Menschenverstandes: Der "Normalbürger" will daran glauben, dass eine kapitalistische Marktwirtschaft umso besser funktioniert, je mehr Sachkapital (Häuser, Fabriken, Maschinen, Schiffe, etc.) vorhanden und einsatzbereit ist. Und tatsächlich ist durch die Corona-Maßnahmen nichts zerstört worden; alles Sachkapital ist noch vorhanden und einsatzbereit, sodass mit Beendigung der Corona-Maßnahmen die Wirtschaft wieder anlaufen kann – oder nicht? Nein. Es verhält sich genau umgekehrt: Der Zinsgeld-Kreislauf setzt eine prinzipielle Sachkapital-Knappheit voraus, die schon vor der "Corona-Pandemie" nicht mehr gegeben war – und die jetzt nur noch durch den dritten Weltkrieg wiederhergestellt werden könnte!

(Silvio Gesell, Herbst 1918) "Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.
     Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: 'Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.'
     Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein."

Es dauerte wirklich keine 25 Jahre vom Ende des ersten bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges, damit durch umfassende Sachkapitalzerstörung (gewaltsame Wiederherstellung von Sachkapital-Knappheit) der Zinsfuß steigen und das Zinsgeld wieder umlaufen konnte. Der dritte Weltkrieg wurde allein durch die atomare Abschreckung bis heute verhindert. Seit der "Finanzkrise" ist das Zinsniveau so niedrig, dass nur durch exzessiven Keynesianismus (staatliche Investitionspolitik und Geldmengenausweitung) der Zinsgeld-Kreislauf aufrecht erhalten wurde und ein immer kleinerer Anstoß (z. B. die endgültige Pleite Griechenlands) genügt hätte, um ihn komplett und endgültig zusammenbrechen zu lassen. Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Corona-Maßnahmen ist nun unvergleichlich größer als es die Pleite Griechenlands hätte sein können, sodass ohne dritten Weltkrieg der Zinsgeld-Kreislauf mit Sicherheit nicht mehr anspringt.

Schon der zweite Weltkrieg hätte nicht passieren müssen, wenn sich die halbwegs zivilisierte Menschheit nach dem ersten Weltkrieg für die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) entschieden hätte, und wo wir dann heute wären, kann nur erahnen, wer die Großen Vier (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat. Doch solange die Menschheit religiös ist, gibt es keine intelligenten Entscheidungen. Dem Programm Genesis im kollektiv Unbewussten, das die halbwegs zivilisierte Menschheit seit etwa 3250 Jahren an die Zinsgeld-Ökonomie anpasst, war es egal, dass 60 Millionen von zweieinhalb Milliarden sterben mussten, denn das Humankapital war in wenigen Jahren wieder nachgeboren.

Heute stellt sich die Situation anders dar, denn mit 16.000 Atomsprengköpfen, von denen jeder ein Vielfaches der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe hat, ist eine umfassende Sachkapitalzerstörung zwar schnell erledigt, aber nicht mehr zu empfehlen, denn die Menschheit würde nicht überleben. Wie geht es weiter? Zuerst alle Aktien verkaufen und auch den Gelderlös nicht auf dem Girokonto lassen, sondern als Bargeld zuhause lagern. Denn wir kommen mit Sicherheit in eine Deflation, wo das Bargeld die größte Sicherheit bietet und ständig an Kaufkraft gewinnt, weil die Produzenten gezwungen sind, ihre Preise zu senken. Als Perspektive für die Zukunft ist das natürlich nicht ausreichend, denn es gibt kein gutes Leben im Schlechten, zumindest nicht auf Dauer.

Hat man alle Illusionen verloren, dass die "hohe Politik" noch etwas Sinnvolles bewirken könnte, und glaubt man an Legenden, muss schon jemand den Hüter des heiligen Grals besucht und das Geheimnis des ewigen Lebens entdeckt haben, damit es jetzt noch eine Zukunft geben kann. Aber ganz egal, wie man sich diese Legende vorzustellen wagt: Die Wahrheit wird – wie stets – weit erstaunlicher sein...


Stefan Wehmeier, 01.05.2020


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