Sonntag, 16. November 2014

Zivilisation



Aktualisierter Text für morgen als PDF:
Nicht mehr ganz aktueller, aber zuerst lesenswerter Text von 13vorgestern:

What would you do if I sang out of tune?
Would you stand up and walk out on me?
Lend me your ears and I'll sing you a song
I will try not to sing out of key

Warum wurde das Video bis jetzt 12.893.662 Mal angeklickt? Weil der gute alte Joe Cocker garantiert nicht "out of key" singt? Nein. Weil uns allen genau das fehlt, was Pharisäer und Schriftgelehrte seit jeher verhindern: "A little help from my friends"! Politiker/Schweinepriester und Rechtsverdreher haben das menschliche Zusammenleben wie es sein sollte nicht nur vollständig zerstört, sondern es schon so weit ins Gegenteil verkehrt, dass 48.341.420 Mal etwas so Unterirdisches wie das da angeklickt wurde (Nachtrag_150116: "das da" wurde gesperrt; tut mir nicht leid). Wer das länger als 5s aushält, dem sind die allermeisten Tassen schon aus dem Schrank gestohlen worden. Die "modernen" Pharisäer und Schriftgelehrten machen aber nichts mehr "absichtlich", und jene, die vor über 2500 Jahren noch wussten, was sie taten, handelten nicht aus "böser Absicht".

    Viele Länder sah Zarathustra und viele Völker: keine größere Macht fand Zarathustra auf Erden, als die Werke der Liebenden: "gut" und "böse" ist ihr Name.
    Wahrlich, ein Ungetüm ist die Macht dieses Lobens und Tadelns. Sagt, wer bezwingt es mir, ihr Brüder? Sagt, wer wirft diesem Tier die Fessel über die tausend Nacken?
    Tausend Ziele gab es bisher, denn tausend Völker gab es. Nur die Fessel der tausend Nacken fehlt noch, es fehlt das eine Ziel. Noch hat die Menschheit kein Ziel.
    Aber sagt mir doch, meine Brüder: wenn der Menschheit das Ziel noch fehlt, fehlt da nicht auch – sie selber noch? –

Also sprach Zarathustra / Von tausend und einem Ziele.

Der bedeutendste Philosoph – nicht allein – des einstigen Volkes der Dichter und Denker, der "Antichrist" Friedrich Nietzsche, konnte nicht wissen, dass zu seiner Zeit ausgerechnet er der tatsächlich einzige wahre Christ auf diesem kleinen blauen Planeten war,…


…und konnte "Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform" (Silvio Gesell, 1906) nicht mehr lesen, sodass weder Nietzsche noch Gesell, die sich der ganzen Wahrheit aus zwei verschiedenen Richtungen genähert hatten, in Erfahrung bringen konnten, dass der geniale Prophet Jesus von Nazareth "das eine Ziel" schon formuliert hatte – jedoch bis heute und wie alles andere korrumpiert wurde vom "Kreuz als Erkennungszeichen für die unterirdischste Verschwörung, die es je gegeben hat":


Pharisäer und Schriftgelehrte versuchen durch moralische und rechtliche Vorschriften höchst unzureichend zu ersetzen, was bisher jedem Staat an "freiwilliger Selbstregelung" fehlte. Die Übersetzung als Politiker/Schweinepriester und Rechtsverdreher ist etwas ungenau, weil es die so genannte "moderne Gewaltenteilung" in Exekutive, Legislative und Judikative sowie die vorgebliche "Trennung von Kirche und Staat" in früheren Zeiten so nicht gab. Um diese besonderen Patienten genauer zu charakterisieren, ist erst einmal festzustellen, was sie heutzutage gemeinsam haben: Sie sind eher dummgierig und nicht mehr neugierig.


In beiden Adjektiven steckt die Gier, welche aber nur in Verbindung mit dem Neuen, d. h. ausschließlich und wertfrei auf die Zukunft ausgerichtet, das eigentlich Positive an einem Menschen charakterisiert, während ein Dummgieriger aus selbstsüchtigem Eigeninteresse nicht nur die "freiwillige Selbstregelung" eines Staates bzw. einer Volkswirtschaft verhindern, sondern auch die restliche Selbstregelung nur noch weiter einengen will, um selbst "wichtig" zu sein und – für die Masse der Dummen (Untertanen) – immer noch "wichtiger" zu werden. Wer diese Dummgierigen dann auch noch für "die da oben" hält, dem mangelt es an allem, um auch nur ansatzweise über das zivilisatorische Mittelalter hinaus denken zu können.

(Mangel an Mut) scheint der verbreitetere Fall zu sein. Er tritt ein, wenn der angebliche Prophet, sogar wenn ihm alle relevanten Fakten vorliegen, nicht sehen will, dass sie unweigerlich nur eine einzige Schlussfolgerung zulassen.

(Mangel an Phantasie) Die zweite Art des prophetischen Versagens ist weniger tadelnswert und wesentlich interessanter. Sie tritt auf, wenn alle verfügbaren Fakten richtig eingeschätzt und geordnet werden – wenn aber die wirklich wesentlichen Fakten noch nicht entdeckt sind und die Möglichkeit ihrer Existenz ausgeschlossen wird.

Arthur C. Clarke (über die Risiken der Prophezeiung)

Die Zivilisation entmachtet die Politik und macht die so genannte Moral überflüssig, sodass wir das Denkverbot durch Die 3 Gebote ersetzen können. Das ergibt in allen Bereichen eine Effizienzsteigerung mindestens allererster Kajüte, um 2014 schon mal verstehen zu können, was bereits 1918 über das Leben in Eigennutz = Gemeinnutz geschrieben wurde:

"Wie bei allen Lebewesen, so hängt auch das Gedeihen des Menschen in erster Linie davon ab, dass die Auslese nach den Naturgesetzen sich vollzieht. Diese Gesetze aber wollen den Wettstreit. Nur auf dem Wege des Wettbewerbs, der sich überwiegend auf wirtschaftlichem Gebiete abspielt, kann es zur förderlichen Entwicklung, zur Hochzucht kommen. Wer darum die Zuchtgesetze der Natur in ihrer vollen, wundertätigen Wirksamkeit erhalten will, muss die Wirtschaftsordnung darauf anlegen, dass sich der Wettbewerb auch wirklich so abspielt, wie es die Natur will, d. h. mit der von ihr gelieferten Ausrüstung, unter gänzlicher Ausschaltung von Vorrechten. Der Erfolg des Wettstreites muss ausschließlich von angeborenen Eigenschaften bedingt sein, denn nur so wird die Ursache des Erfolgs auf die Nachkommen vererbt und zur allgemeinen Menscheneigenschaft. Nicht dem Geld, nicht verbrieften Vorrechten, sondern der Tüchtigkeit, der Kraft, der Liebe, der Weisheit der Eltern müssen die Kinder ihre Erfolge verdanken. Dann darf man hoffen, dass mit der Zeit die Menschheit von all dem Minderwertigen erlöst werden wird, mit dem die seit Jahrtausenden vom Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht sie belastet hat, dass die Herrschaft den Händen der Bevorrechteten entrissen und die Menschheit unter der Führung der Edelsten den schon lange unterbrochenen Aufstieg zu göttlichen Zielen wieder aufnehmen wird."

(Vorwort zur 3. Auflage der Natürlichen Wirtschaftsordnung, 1918)

Ohne es zu ahnen, hatte Silvio Gesell die "göttlichen Ziele" damit schon beschrieben und das neue Ziel erschien erst 1956. Das neue Ziel hat mit Göttern nichts mehr zu tun, weil der Mensch nach dem Jüngsten Tag, wie ja schon Nietzsche erkannt hatte, über Gott steht:


Der Mensch hat also über Gott zu richten, bzw. der bereits auferstandene Übermensch (nach Nietzsche) = selbständiger Vollmensch, Individuum und Akrat (nach Gesell) über die sich (noch) im geistigen Tod der Religion befindlichen (auf die künstlichen Archetypen Jahwe/Elohim = Investor/Kapitalismus rückgebundenen) Teilmenschen (Privatkapitalisten) und den Rest der Herdenmenschen (Staatskapitalisten / Marxisten) – und nicht umgekehrt!

Nachdem der ganze religiöse Humbug nun zumindest in der Theorie endgültig geklärt ist, kann man sich endlich dem neuen Ziel zuwenden, aus dem hier ein wesentlicher Ausschnitt aus der in deutscher Sprache 2011 erschienenen Neuauflage folgt:

"In nicht allzu ferner Zeit, Alvin, werde ich mich darauf vorbereiten, dieses Leben zu verlassen. Ich werde meine Erinnerungen durchgehen, sie überprüfen und diejenigen löschen, die ich nicht behalten will. Dann werde ich die Halle der Schöpfung betreten, aber durch eine Tür, die du nicht kennst. Dieser alte Körper wird zu existieren aufhören und mit ihm das Bewusstsein. Von Jeserac wird nichts bleiben als eine Milchstraße von Elektronen, erstarrt im Innern eines Kristalls.
    Ich werde schlafen, Alvin, traumlos. Dann, eines Tages, vielleicht hunderdtausend Jahre später, werde ich mich in einem neuen Körper wiederfinden und diejenigen treffen, die als meine Vormünder bestellt sind. Sie werden sich meiner annehmen, wie Eriston und Etania sich deiner angenommen haben, denn am Anfang werde ich nichts von Diaspar wissen und keine Erinnerung an mein früheres Dasein besitzen. Diese Erinnerungen werden langsam wiederkehren, am Ende meiner Kindheit, und ich werde auf ihnen aufbauen.
    Das ist die Struktur unseres Lebens, Alvin. Wir alle sind schon viele, viele Male hier gewesen, obgleich sich, da die Zwischenzeiten der Nicht-Existenz nach gewissen Gesetzen unterschiedlich lange sind, die gegenwärtige Bevölkerung in dieser Zusammensetzung nicht wiederholen wird. Der neue Jeserac wird neue und andere Freunde und Interessen haben, aber der alte Jeserac – so viel ich von ihm zu bewahren wünsche – wird auch noch existieren.
    Das ist nicht alles. In jedem Augenblick, Alvin, lebt nur ein Hundertstel der Bürger Diaspars in seinen Straßen. Die gewaltige Mehrheit schläft in den Gedächtnisanlagen und wartet auf das Signal, das sie wieder auf die Bühne des Daseins ruft. So besitzen wir also Stetigkeit, aber doch Veränderung – Unsterblichkeit, aber keine Stagnation.
    Ich weiß, was du dich fragst, Alvin. Du möchtest wissen, wann du die Erinnerungen an deine früheren Lebensperioden wiedergewinnst, wie es deine Kameraden bereits tun.
    Du hast keine solchen Erinnerungen, denn du bist einzigartig. Wir haben versucht, dir diese Tatsache so lange wie möglich vorzuenthalten, damit kein Schatten über deine Kindheit fiel – obwohl ich glaube, dass du einen Teil der Wahrheit schon erraten hast.
    Du, Alvin, bist ein Phänomen, das in Diaspar seit der Gründung der Stadt erst wenige Male aufgetreten ist. Vielleicht lagst du durch alle Zeiten hindurch schlafend in den Gedächtnisanlagen – vielleicht bist du aber auch erst vor zwanzig Jahren durch eine zufällige Permutation geschaffen worden. Du kannst ebenso gut von Anfang an von den Gründern der Stadt vorgesehen worden oder ein zufälliges Produkt unserer eigenen Zeit sein.
    Wir wissen es nicht. Alles, was wir wissen, ist dies: Du allein, von allen Menschen, Alvin, hast noch nie gelebt. Du bist im wörtlichen Sinn das erste Kind, das seit mindestens zehn Millionen Jahren auf der Erde geboren wurde."

Wenn ein Einzelner in nur 7 Jahren den Stand der Technik aufholen kann, den die ganze weltweite Branche seit fast 40 Jahren versäumt hat, sollte es mit maximal effizienter Arbeitsteilung unter 80 Millionen Menschen (das verwirklichte Volk der Dichter und Denker) möglich sein, in nur wenigen Jahrzehnten bis maximal zwei Jahrhunderten alles Versäumte – incl. aller "überirdischen Hoffnungen" – aufzuholen, was in unrühmlicher Vergangenheit bis heute "die unterirdischste Verschwörung, die es je gegeben hat", verhinderte!

Und damit dieser Artikel nicht mit "verhindert" endet, darf an dieser Stelle schon mal erraten werden, wie die letzten Worte der originalen Heiligen Schrift zu verstehen sind:

"…and along the path he once had followed, man would one day go again."
             

Stefan Wehmeier, 16.11.2014


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