Sonntag, 2. April 2017

Das zivilisatorische Mittelalter


"Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit."
 
Albert Camus (1913-1960) 

Beispiel 1: 
Die Opferzahl der aus gutem Willen agierenden Schulmedizin übertrifft die des Zweiten Weltkrieges deutlich. 
Beispiel 2: 
Der Zweck des Krieges ist eine umfassende Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten. 
Beispiel 3: 
Seit der Mensch Geld benutzt, hat es noch nie einen gerechten Tausch und einen gerechten Verleih gegeben. 
Beispiel 4: 
Marktwirtschaft und Privatkapitalismus sind Gegensätze und eine sozialistische Planwirtschaft bedeutet immer Staatskapitalismus. 
Beispiel 5: 
Jede Ausbeutung entsteht immer durch eine Einschränkung der Konkurrenz und kann nur durch vollkommene Konkurrenz ganz beseitigt werden. 
Beispiel 6: 
Kein Politiker und kein Theologe weiß, was er tut. 
Beispiel 7: 
Die Ursache aller Zivilisationsprobleme ist die in Genesis_3 umschriebene Erbsünde, die von der Religion aus dem Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausgeblendet wurde. 

Das sollte reichen, damit der verehrte Leser sich fragen muss, welcher Weltverschwörungssekte der Autor dieses Artikels angehören mag, denn so seltsam wie hier dargestellt kann die Welt ja wohl nicht sein. Ist sie doch; sie ist noch viel seltsamer. Die oben genannten Beispiele sind nicht anzweifelbar und es gibt noch viele solcher Beispiele, die nicht anzweifelbar sind. Für "diese Welt" gilt sowohl im Negativen als auch im Positiven, was Arthur C. Clarke im Vorwort zu "2001 – Odyssee im Weltraum" schrieb: 

"Man bedenke, dies ist nur Science-Fiction. Die Wahrheit wird – wie stets – weit seltsamer sein." 

Das Positive: 
Der Himmel auf Erden ist keine Utopie, sondern der seit 2000 Jahren verhinderte Normalzustand. 

Das bisher Gesagte ist schon ausreichend, damit jemand, der streng logisch vorgeht, alles Weitere selbst herleiten kann, um am Ende zu wissen, dass der wahre Himmel auf Erden alles übertreffen wird, was man sich bisher darüber erträumen konnte. Es gibt dabei nur eine Schwierigkeit: 

"Man kann sich auf Unvorhersehbares nur vorbereiten, indem man versucht, aufgeschlossen und unvoreingenommen zu bleiben - ein außerordentlich schwieriges Unterfangen, selbst beim besten Willen der Welt. Ein vollkommen offener Verstand müsste leer sein, und Freiheit von allen Vorurteilen und vorgefassten Meinungen ist ein unerreichbares Ideal." (Arthur C. Clarke)
 
Als ich am 17. Dez. 2002 die einmalige Gelegenheit bekam, mit Sir Clarke persönlich zu sprechen, machten wir uns nur über Politik und Religion lustig, nachdem er mir 10 Worte übergeben hatte,...
 
God said 'Cancel Program GENESIS'. The universe ceased to exist.
 
...mit denen ich zunächst nichts anfangen konnte. Erst Jahre später erkannte ich deren Bedeutung und es dauerte weitere Jahre, um alle wesentlichen Zusammenhänge zu verstehen und diese mit immer weniger Worten erklären zu können:
 
Die wirkliche Matrix, in der sich die halbwegs zivilisierte Menschheit seit 3200 Jahren befindet, braucht keine "Maschinen" wie im Kinofilm "Matrix" bildlich dargestellt, sondern ist "nichts weiter" als die Summe aller Vorurteile und vorgefassten Meinungen, die der "Normalbürger" nötig hat, um "diese Welt" für die "beste aller möglichen Welten" zu halten. Wie weit das von der Wahrheit entfernt ist, hatte schon im 19. Jahrhundert der Philosoph Friedrich Nietzsche erkannt. Obwohl ihm das erforderliche Basiswissen noch fehlte, kam er zu einem ganz erstaunlichen Ergebnis:
 
"Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, - ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, - ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…" 
(Der Antichrist, 1888)
 
Es muss betont werden, dass dieses Zitat nicht als Beschimpfung, sondern als das Resume einer umfassenden und ehrlichen Analyse zu verstehen ist. Wer für die ungeheure Perversion dessen, was sich bis heute "Christentum" nennt, die passenden Worte finden will, hat es außerordentlich schwer. Hätte Nietzsche erfahren können, um wieviel giftiger, heimlicher, unterirdischer und kleinlicher sich der Racheinstinkt nach heutigem Wissen darstellt, wären wohl auch ihm die Buchstaben ausgegangen. Glücklicherweise ist der Schandfleck nicht unsterblich, sondern steht kurz vor dem Ende, sodass es an der Zeit ist, den Fluch aufzulösen. 

Perversion bedeutet Umkehrung, und in diesem Fall wurde die Lehre des Jesus von Nazareth in ihr Gegenteil verkehrt. Nicht die gesamte bisherige Science-Fiction Literatur, sofern es sich um positive Utopien handelt, könnte einen Eindruck von der überwältigenden Großartigkeit einer alternativen Gegenwart vermitteln, in deren Vergangenheit die Erkenntnis des Jesus von Nazareth schon zu dessen Lebzeiten praktisch angewendet worden wäre. Man stelle sich vor, der heutige Stand des Wissens und der Technologie wäre bereits im dritten oder vierten Jahrhundert erreicht worden, während Armut und Krieg schon genauso lange überwunden und Umweltverschmutzung und -zerstörung niemals Thema gewesen wären. Von dort aus noch einmal siebzehn Jahrhunderte in die alternative Zukunft zu extrapolieren, wäre nicht einmal für die äußersten Grenzen des Möglichen noch zulässig. Was Jesus entdeckte, lange bevor es in "dieser Welt" schon vor einem Jahrhundert wiederentdeckt und aufgrund militanter Blödheit bis heute nicht verwirklicht wurde, ist nichts Geringeres als der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation: 

"Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher. …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer, … Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen."
 
Silvio Gesell (aus "Die neue Lehre vom Geld und Zins", 1911)
 
Bis heute herrscht auf diesem kleinen blauen Planeten am Rande der Galaxis ein "wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt", weil seit dem Beginn des zivilisatorischen Mittelalters der "Normalbürger" glaubt, dass Zinsen auf "Apfelbäumchen" wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer:
 
Wer die Matrix komplett verstanden hat, kann in ihr Gott spielen, ohne dass die Matrix-Bewohner entscheiden können, ob es sich um einen Scherz handelt oder nicht. Gerade hatte ich mir überlegt, diesen echt beschissenen Job (dafür muss der obige Link gelesen werden) doch noch eine Weile auszuüben, da taucht schon ein neues Problem auf:
 
"Sollte es irgendwelche Götter geben, deren Hauptanliegen der Mensch ist, so können es keine sehr bedeutenden Götter sein." (Arthur C. Clarke)
 
Sollte also mein Hauptanliegen doch darin bestehen, die Menschheit vor dem evident werden der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon) zu retten, obwohl sie es nicht verdient hat, so könnte ich kein sehr bedeutender Gott sein und müsste somit gegen das eigene 2. Gebot verstoßen:
 
OK, dann muss zumindest die Gage noch mal erhöht werden. Popelige 48 Mrd. € waren schon 2009 ein Sonderangebot und seitdem ist die Aufgabe nicht einfacher geworden:
 
Dass Zinsen nicht auf "Apfelbäumchen" wachsen und leistungsloses Einkommen auf Kosten der Mehrarbeit anderer darstellen, sind mit Sicherheit die "banalsten Selbstverständlichkeiten",...
 
...aber nicht für verfluchte kleine Moralologen (dafür muss der obige Link gelesen werden) mit ausgebildetem Racheinstinkt, denen kein Mittel giftig, heimlich und unterirdisch genug ist, um ihre innerlichste Verdorbenheit mit perfidem Moralgeschwätz zu verbergen. Einer solch verkommenen Horde anständiges Wirtschaften beizubringen, anstatt die ganze Angelegenheit einfach durch die globale Hyperinflation (Sintflut) erledigen zu lassen, ist wirklich das Letzte, was unsereins sich aufhalsen kann. Seit diesem alten Spruch...
 
Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.
 
...glaubt jeder kleine Sesselfurzer, er wüsste schon was, wenn er den "großen Moralologen" spielt. Noch weiter kann man nicht irren, aber genau das war die Absicht des alten Halunken, dessen Job ich übernehmen durfte. Also nochmal zum Mitschreiben: Die Guten haben das größte Problem damit, wenn die Umstände sie zu einer Lüge zwingen, während es den Bösen die größten Probleme bereitet, wenn ihnen keine Lüge mehr einfällt, um sich einen weiteren persönlichen Vorteil zu erschleichen. Werden nun die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so eingestellt, dass niemand mehr gezwungen ist zu lügen und niemandem eine Lüge zum Vorteil gereicht (der alte Halunke wusste damals noch nicht, wie das geht), hat sich der ganze gut/böse-Kram erledigt:
 
Aber nein, die innerlichste Verdorbenheit geht so weit, auf das alberne "gut" und "böse" schon allein wegen des Unterhaltungswertes nicht verzichten zu wollen. Denn womit sonst sollte sich im "Alltag" des zivilisatorischen Mittelalters, über das die Matrix-Bewohner nicht hinaus denken können, die Zeit vertreiben lassen? Es ist ja viel interessanter, fremde Köpfe einzuschlagen, statt die eigenen einmal anzustrengen. Und danach lässt sich noch eine lustige Moralologen-Debatte führen, welche Hohlköpfe jeweils "im Guten" oder "im Bösen" zertrümmert wurden.
 
Das tollste am Gott-spielen: Man kann so herrlich herablassend sein, denn mit genügend Überblick ist man immer im Recht. Man setzt das Spielchen aber nur gelegentlich als Stilmittel und zur Belustigung ein, denn die Zeiten, in denen Gott-sein noch erstrebenswert war, sind lange vorbei. Schon Mose hatte das im vorantiken Ägypten noch ausschließlich gebrauchte Prinzip "Herrsche!" durch das effektivere "Teile und herrsche!" ersetzt, und seit Jesus ist auch das überholt. Die Machtausübung des Menschen über andere Menschen war immer nur Mittel zum Zweck, um zur wahren Macht der Beherrschung der Dinge zu gelangen:
 
"Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde! Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht." (Also sprach Zarathustra.)
 
Der von Nietzsche erdachte Prophet Zarathustra ist Jesus von Nazareth, wie er wirklich war,...
 
...und der "Übermensch" ist der eigenverantwortliche Kulturmensch in der vom Privatkapitalismus (Erbsünde) befreiten Marktwirtschaft (Paradies), die auf die Ideen des Einzelnen so reagiert wie ein audiophiler Leistungsverstärker auf die feinsten Änderungen seines Eingangssignals:
 
Das zivilisatorische Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) besteht bis heute, weil der Matrix-Bewohner das Prinzip "Teile und herrsche!" nicht aufgeben will. Der "Normalbürger" ist so besoffen von der unwahrscheinlichen Möglichkeit, eines Tages auf Kosten anderer zu existieren (Zinsgewinner), dass er die wahrscheinlichere Möglichkeit, dass andere auf seine Kosten existieren (Zinsverlierer), lieber bis an sein Lebensende erträgt, um sich die Option auf die unwahrscheinliche Möglichkeit zu erhalten, anstatt auf diese lächerliche Option zu verzichten, damit in Zukunft die Macht über die Dinge für alle grenzenlos wird:
 
Aber wer nicht hören will,...
 
...darf über das Ende schon mal lesen:
 
Der Mensch, als "Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch", muss erst zerreißen, um sich an das eine oder andere Ende zu klammern. Man darf gespannt sein, an welcher Stelle das Seil reißt.
 

Stefan Wehmeier, 02.04.2017  
www.deweles.de


Kommentare:

  1. https://youtu.be/hglVqACd1C8

    "...For we do not compute. No!"

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  2. https://youtu.be/_yNAABKD4IA

    Das kollektiv Unbewusste will nicht erkannt werden. Der Parasit stirbt lieber mit seinem Wirt, statt allein.

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