Dienstag, 7. März 2017

Wie funktioniert Religion?

We made the mountains shake with laughter
As we played hiding in our corner of the world
Then we did the demon dance and rushed to nevermore
Threw away the key and locked the door
 

Oh they say that it's over
And it just had to be
Yes they say that it's over
We're lost children of the sea

 

(Black Sabbath, 1980)
 

Wer sich für "gläubig" hält, will nicht aufgeklärt werden, wer sich "ungläubig" glaubt, hält sich schon für aufgeklärt, und so genannte Agnostiker (Nichtwissende) glauben, man könne die Religion gar nicht erklären. Allein der Gnostiker weiß, dass alle drei Positionen nicht nur unsinnig, sondern mittlerweile akut lebensbedrohlich sind.
 
Lebensbedrohlich war die Religion schon immer, aber noch nie für die Menschheit als Ganzes. In der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit hat es immer Bürger- und Völkerkriege gegeben und bei genauerer Betrachtung sind sie alle als Religionskriege zu bezeichnen. Die Kriege waren allerdings erforderlich, um an den Punkt zu gelangen, an dem wir heute stehen: Entweder Zivilisation – oder der Rückfall in die Steinzeit.
 
Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation setzt die Überwindung der Religion voraus; gelingt dies nicht, müssen die letzten zehntausend Jahre Kulturentwicklung noch einmal durchlaufen werden. Die Übergangszeit vom bevorstehenden Zusammenbruch des zivilisatorischen Mittelalters bis alle noch irgendwie zu verwertenden Überreste dessen verschwunden sind, ist niemandem zu wünschen, und wer sich ein ungefähres Bild davon machen will, kann sich noch einmal die "Mad-Max"-Filmtrilogie ansehen oder darf das Cover des Nachfolgealbums "Mob Rules" (Black Sabbath, 1981) bewundern.
 
Der Zeitpunkt, an dem "der Schlüssel weggeworfen und die Tür verschlossen" wurde, kann ungefähr auf 580 v. Chr. datiert werden. Zu dieser Zeit verfasste die israelitische Priesterschaft die so genannte priesterliche Schicht des alten Testamentes. Die letzten Priester, die das Geheimnis der Erbsünde noch kannten, setzten den heute "ersten" Schöpfungsmythos (7-Tage-Schöpfung) der Genesis vor den ursprünglichen "zweiten" (Paradiesgeschichte) und machten damit endgültig den Krieg zum Vater aller Dinge.
 
Seitdem gibt es zwei Götter im alten Testament, den etwa 3200 Jahre alten Gott Jahwe ("Gott der HERR" in der Lutherbibel) und den etwa 2500 Jahre alten Gott Elohim ("Gott" in der Lutherbibel). Dabei handelt es sich um künstliche Archetypen (nach C. G. Jung), die durch die Schöpfungsmythen und deren Verbreitung im kollektiven Unbewussten der ganzen halbwegs zivilisierten Menschheit einprogrammiert sind. Es ist also nicht so, dass Götter nicht existieren, auch wenn sie "nur" Einbildung sind, sondern die Einbildung ist das Entscheidende!
 
Die Programmierung des kollektiven Unbewussten war in früheren Zeiten erforderlich, um die Arbeitsteilung in Gang zu setzen, die den Menschen über den Tierzustand erhob und bis zu einem gewissen Grad zivilisierte. Solange noch niemand wusste, wie eine perfekte Arbeitsteilung ohne systemische Ungerechtigkeit zu gestalten ist, musste das arbeitende Volk "wahnsinnig genug" für eine unperfekte Arbeitsteilung gemacht und die systemische Ungerechtigkeit aus dem allgemeinen Begriffsvermögen ausgeblendet werden. Dafür bedurfte es der Religion (Rückbindung auf künstliche Archetypen), die bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert noch eine exakte Wissenschaft zur Programmierung von Untertanen war. Jene Priester, die noch wussten, was sie taten, starben aus; die Programmierung des kollektiv Unbewussten blieb bestehen. Und so sind wir heute alle "poor lost children of the sea".
 
Der ursprüngliche Gott Jahwe rät den Menschen, ihr Paradies zu "bebauen und bewahren", während der nachfolgende Gott Elohim den Befehl erteilt, sich "die Erde untertan" zu machen. Wer im Paradies leben will, darf nicht die Erbsünde begehen, die darin besteht, sich an der "Frucht vom Baum der Erkenntnis" zu bedienen. Das hatte nicht funktioniert, also musste man sich mit der Erbsünde arrangieren. Wohin das geführt hat, sehen wir heute: Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg, um nur die auffälligsten Erscheinungen zu nennen.
 
Die Menschheit wäre hoffnungslos verloren, hätte es nicht einen Propheten gegeben, der die Religion durchschaute. Nachdem auch die israelitischen Hohepriester der religiösen Verblendung erlegen waren, die ihre Vorgänger geschaffen hatten, mutierte die Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode. Erst ein halbes Jahrtausend später erkannte Jesus von Nazareth die Bedeutung der Erbsünde wieder und fand als erster Denker in der bekannten Geschichte die einzige Lösung, wie diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" zu überwinden ist. Allerdings gab es unter den "Pharisäern und Schriftgelehrten" (heute in etwa zu übersetzen mit "Politiker/Schweinepriester und Rechtsverdreher") niemanden mehr, der Jesus hätte verstehen können. Nur beim einfachen Volk hinterließ der Prophet einen tiefen Eindruck und einige erlangten sogar die Auferstehung (Erkenntnis der Erbsünde), aber noch nicht die Erleuchtung (wie die Erbsünde zu überwinden ist). An die generelle Befreiung von der Erbsünde war nicht zu denken, auch wenn dies in rein technischer Hinsicht bereits damals möglich gewesen wäre. Also entwickelte Jesus einen Plan, um die allgemeine Auferstehung in Zukunft möglich zu machen,...
 
(Logion 108) Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.
 
...wenn die Zeit dafür gekommen sein würde:
 

Stefan Wehmeier, 07.03.2017




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