Freitag, 26. August 2011

Grande Finale

In sieben Tagen schuf Gott die Welt
doch sieben Tage sind echt zu knapp
Am achten Tag fand er das auch
schmiss sie ins Klo und zog ab

Udo Lindenberg (Grande Finale)

Schöpfungsmythen – es geht um die Schöpfung von Kultur (Arbeitsteilung) und nicht um die „Schöpfung von Natur“ – sind geniale metaphorische Beschreibungen der Makroökonomie einer Kultur, und die darin implizit enthaltenen Götter (künstliche Archetypen im kollektiv Unbewussten) bewirken eine selektive geistige Blindheit des arbeitenden Volkes gegenüber den elementaren makroökonomischen Konstruktionsfehlern, die zu systemischer Ungerechtigkeit führen. Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in „dieser Welt“ (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion (Rückbindung auf künstliche Archetypen), die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode mutierte und uns – unabhängig von „Glaube“ oder „Unglaube“ – alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen. Die „7-Tage-Schöpfung“ (Genesis 1,1-2,4a), der heute „erste“ Schöpfungsmythos der Genesis, wurde nachträglich im 6. vorchristlichen Jahrhundert von der israelitischen Priesterschaft vor den heute „zweiten“ Schöpfungsmythos (Paradiesgeschichte, Genesis 2,4b-3,24) gesetzt, dessen Urform schon im 13. vorchristlichen Jahrhundert entstand:


Die letzten Priester, die die wirkliche Bedeutung der heute in Genesis 3,1-24 beschriebenen Erbsünde noch kannten, sahen die letzte Möglichkeit, um einen Rückfall der menschlichen Kultur in die Primitivität des Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus (zentralistische Planwirtschaft ohne liquides Geld, vorantikes Ägypten) zu verhindern, darin, den unbewussten (bis heute religiös verblendeten) Kulturmenschen von der anfänglichen Basisfunktion „dem Investor höriger Unternehmer“ (jahwistische Schicht des alten Testamentes, Archetyp Jahwe = Investor) zur fatalen Funktion „dem Kapitalismus folgender Investor“ (priesterliche Schicht, Archetyp Elohim = Kapitalismus) umzuprogrammieren. Mit dieser „priesterlichen Großtat“ (Wahnsinn mit Methode) nahmen sie wissentlich in Kauf, dass die halbwegs zivilisierte Menschheit solange in systemischer Ungerechtigkeit sowie in totaler geistiger Umnachtung existieren würde, bis nicht nur die Lösung (Erlösung) für die Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) gefunden, sondern auch die reale Angst vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (Armageddon) größer sein würde, als die vom Mythos eingebildete Angst vor dem „Verlust“ der Religion:      

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,1-1,5) Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Die Polarität „Himmel und Erde“ (lat.: caelum et terram) steht allgemein für „Ewigkeit und Vergänglichkeit“, wobei sich die „Ewigkeit“ auf das Zinsgeld, Anspruch auf Zinsgeld („Seele“) oder die Nachfrage bezieht und die „Vergänglichkeit“ auf die Waren, die Produktionsmittel oder das Angebot. Der erste Satz der Bibel bedeutet: Am Anfang schuf der Kapitalismus Finanzkapital und Sachkapital. Das „Wasser“ steht für „liquides Zinsgeld“ und der „Geist“ (auch „Hauch“, „Wind“ oder „wehender Wind“) bedeutet Geldbewegung oder Geldumlauf sowie den damit verbundenen, gegenläufigen Warenstrom, der eine kulturelle Entwicklung („Licht“ = Konjunktur) in Gang setzt.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,6-1,8) Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Die „Feste zwischen den Wassern“ ist die Rentabilitätsgrenze oder -hürde, die das verliehene, in Sachkapital angelegte Zinsgeld („Wasser über der Feste“) von dem nicht verliehenen, gehortetem Zinsgeld („Wasser unter der Feste“) trennt. Die Rentabilitätshürde des Urzinses ist für den Kapitalisten deshalb der „Himmel“, weil sie ihm ein arbeitsfreies Kapitaleinkommen (Urzins = „Frucht vom Baum der Erkenntnis“) auf Kosten der Mehrarbeit anderer sichert, das aus der Überlegenheit des Zinsgeldes („Ewigkeit“) gegenüber den Waren („Vergänglichkeit“) resultiert.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,9-1,13) Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Das „Wasser unter dem Himmel“, das gehortete, liquide Zinsgeld, kann immer wieder in rentable Sachkapitalien investiert werden, die aus der Sicht des Kapitalisten „das Trockene“ darstellen, weil das Sachkapital („Erde“) im Unterschied zur Geldersparnis („Meer“) illiquide ist. Analog zum „Baum des Lebens“ (Geldkreislauf) und dem „Baum der Erkenntnis“ (Geldverleih) stehen „Früchte tragende Bäume“ in der Heiligen Schrift allgemein für „Gewinn bringende Unternehmungen“, und die „Samen“ sind neue Erkenntnisse und Techniken, die die Arbeitsteilung hervorbringt. Im Gegensatz zu den Früchten, die realwirtschaftlichen Unternehmungen entwachsen, ist die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ aber nichts anderes als Ausbeutung. Der Urzins ist die eigentliche Ursache für die systemische Ungerechtigkeit des Kapitalismus und für tatsächlich alles Leid dieser Welt!

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,14-1,19) Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

Die „Sonne“ symbolisiert den Tausch („Baum des Lebens“), der „Mond“ den Verleih („Baum der Erkenntnis“), und die „Sterne“ stehen für kulturelle Ziele. Diese Symbolik wurde aus dem alten Ägypten übernommen (Sonnengott Amun-Re, Mondgott Chons) und macht deutlich, wie ein Schöpfungsmythos funktioniert: Indem das Volk die Symbole gegenständlich - in diesem Fall astronomisch - interpretiert, was von der Priesterschaft unterstützt wird, werden die eigentlichen, makroökonomischen Bedeutungen aus dem Begriffsvermögen der Arbeiter (Untertanen) ausgeblendet, sodass diese die fehlerhafte (kapitalistische) Makroökonomie und die daraus resultierende Ausbeutung, die sie zu ertragen haben, nicht mehr erkennen.    

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,20-1,23) Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

Hier wird eine gegenständlich-naive Fehlinterpretation in biologischer Hinsicht provoziert. Tatsächlich handelt es sich bei allem „Getier“ in der Heiligen Schrift immer um den homo sapiens, der in rein ökonomischer Hinsicht klassifiziert wird: Die „Vögel unter dem Himmel“ sind Einsiedler oder Wanderarbeiter, die nur wenig zur kulturellen Entwicklung beitragen, aber für den Erhalt des Kapitalismus nützlich sind, weil sie die Arbeitslöhne niedrig halten. Die „Fische im Wasser“ sind Menschen, die nicht arbeiten müssen, weil sie von ihren Geldersparnissen leben.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,24-1,31) Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Die „Tiere des Feldes“ sind angestellte Arbeiter ohne Eigenkapital (Zinsverlierer), während der „Mensch“ der Heiligen Schrift, der „freie Unternehmer“, mit eigenem Sachkapital wirtschaftet und in einer Zinsgeld-Ökonomie – durch die Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital – wie der Investor (Zinsgeld-Verleiher) ein Zinsgewinner ist.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 2,1-2,4a) So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

Ausruhen, also auf Kosten der Mehrarbeit anderer existieren, kann ein „großer Investor“ solange, wie die produktive Arbeit die exponentiell steigende Zinslast des unproduktiven Finanzkapitals tragen kann. Dazu muss die ganze Volkswirtschaft um mindestens 5 Prozent pro Jahr exponentiell mitwachsen; wird das Wachstum kleiner (exponentielles Wachstum ist auf Dauer unmöglich), entsteht Massenarbeitslosigkeit; sobald die Zinswirtschaft anfängt zu schrumpfen, bricht sie komplett zusammen. Am Ende kommt es zum Zusammenbruch der ganzen Weltwirtschaft, zur globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), die aktuell beginnt.

Der Prophet Jesus von Nazareth, der nach einem halben Jahrtausend in totaler geistiger Umnachtung sich nicht nur aus eigener Kraft aus der religiösen Verblendung, in die er hineingeboren wurde, befreien konnte und die wirkliche Bedeutung der Erbsünde erkannte (Auferstehung), sondern als erster Denker in der bekannten Geschichte auch die einzige Möglichkeit zu ihrer Überwindung (Erleuchtung) in genialen Gleichnissen beschrieb, kommentierte die „7-Tage-Schöpfung“ mit den folgenden Worten:

(Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 39) Jesus sagte: Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen; sie versteckten sie. Sie sind selbst nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, ließen sie (aber auch) nicht. Ihr aber, werdet klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Mit der Gründung der „heiligen katholischen Kirche“ im 4. Jahrhundert ging die geforderte Klugheit verloren, die Gnostiker (Wissende) wurden zu „Häretikern“ (Gotteslästerern) erklärt und ermordet, und die originale Heilige Schrift des Urchristentums (Gnosis = Wissen) wurde verbrannt. Der Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute „christlich“ nennt) machte die „Bildzeitung der Antike“ (die vier biblischen Evangelien) zu seinem „neuen Testament“, und die Menschheit versank erneut in totaler geistiger Umnachtung, schlimmer als je zuvor. Die Priester des Katholizismus projizierten das von Jesus vorhergesagte „Königreich des Vaters“ (Natürliche Wirtschaftsordnung), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches „Himmelreich“ der Toten und beließen die Menschheit für weitere 1600 Jahre in der systemischen Ungerechtigkeit der Erbsünde, nur um selbst eine sinnlose Moral verkaufen zu können. Der Katholizismus machte die Gesinnung des einzelnen Menschen für das verantwortlich, was allein die Erbsünde ursächlich bewirkt: Massenarmut und Krieg. 


Damit nicht genug, ließ die perfideste aller Religionen die Erbsünde als „dem Menschen angeboren“ erscheinen. Diese maximal menschenverachtende Geisteshaltung ließ das „Christentum“, welches mit der ursprünglichen Lehre des genialen Propheten Jesus von Nazareth nichts mehr gemein hat, zu einem aggressiven Raubtier werden, das sich bis heute die ganze Welt unterwarf. Die Religion wurde zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die Heilige Schrift) und verhinderte bis heute eine gerechte Wirtschaftsordnung. Denn wer das Paradies (die Marktwirtschaft) für einen „Obstgarten“ hält und die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ (den Urzins) für einen Apfel, muss tatsächlich daran glauben, dass unverdiente Knappheitsgewinne (Zinsen und Renditen) auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Ohne die „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“, vor der sich Politiker und Zinsgewinner am meisten fürchten, bleibt der Kulturmensch unfähig, zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus zu unterscheiden – die Grundvoraussetzung des Denkens, sofern es das zivilisierte Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft.

Ohne die originalen Heiligen Schriften, die erst 1945 in der Nähe der Ortschaft Nag Hammadi in Ägypten (wieder-)gefunden wurden, und die im Nachhinein betrachtet als der wertvollste archäologische Fund aller Zeiten anzusehen sind, hätte niemand mehr von der Erkenntnis des Jesus von Nazareth erfahren, die unvergleichlich bedeutsamer ist als der moralisierende Aberglaube des irrationalen Cargo-Kultes, in dem wir (noch) existieren:   


Stefan Wehmeier, 27. August 2011


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