Donnerstag, 21. August 2014

Positive Vierer-Besprechung



Wandelten da vorgestern zwei ehrwürdige Gestalten die Milchstraße entlang; der eine gedrungen, mit mächtigem Löwenkopf, der andere etwas größer und nicht gar so massig – kein Zweifel, Marx und Engels machen ihren Abend-Spaziergang zu jener einsamen Wolkenbank, von der aus man so schön auf die alte Mutter Erde herunterschauen und das Treiben der Völker beobachten kann.
    Diesmal saßen aber just schon zwei andere auf der bewussten Bank. – „Schau einer her,“ sagt Marx im Heranschreiten, „das ist doch Proudhon?“ – er kennt ihn noch gut, hat manchen heißen Kampf mit ihm ausgefochten – worüber er jetzt still in seinen Bart lächelt. Aber den anderen kennt er nicht; auch Engels weiß nicht, wer er ist. Doch nun erhebt sich Proudhon, begrüßt die herangekommenen alten Kämpen und macht die Herren bekannt: „Karl Marx, - Friedrich Engels, - Silvio Gesell,“ – klopft dem guten alten Marx freundschaftlich auf die Schulter und fügt mit einem Augenzwinkern zu dem Neuen hinüber hinzu: „Ja, mein lieber Marx, da habe ich nun in der „Siedlung Eden“ einen unschätzbaren Bundesgenossen gefunden.“ „Das freut mich aber,“ sagt Marx mit einem Lächeln.
    „Sie müssen wissen, verehrter Gesell,“ wendet sich Proudhon nun an diesen, unser alter Marx kommt von der Sorge um die da unten noch immer nicht los. Jeden Abend sitzt er hier und schaut nach dem schönen großen Erdenstern, auf dem die Menschen so viel Unfug anrichten, hört mit seinem Weltraum-Super die letzten Meldungen und hat immer Angst, dass die Erde noch in ihre Atome zerstieben wird, bevor diese Trottel von Menschen die Lösung finden.“
    „Das fürchte ich nicht,“ lacht Gesell ob dieser Sorge, „wenn es auch vom Sirius aus gesehen ziemlich belanglos wäre.“ „Sie sind so zuversichtlich, Gesell,“ bemerkt Marx, „ich möchte Ihnen glauben. Aber worauf gründen Sie Ihre Zuversicht?“
    „Großes Wissen gibt große Ruh´!“ – die vier Männer nehmen nun Platz und Gesell fährt fort: „ich weiß, dass da unten alle Erkenntnisse vorhanden sind, um die soziale Frage zu lösen; und wir Vier haben ja unser Teil dazu beigetragen. Ich darf nun sagen, weil ich der Letzte bin, dem es vergönnt war, Ihre Vorarbeiten, meine Herren, zu vollenden: Die Welt braucht nur von jedem von uns das Beste und Richtige zu entnehmen, um zur ganzen Erkenntnis und zur Lösung zu kommen.“
    „Ich sehe noch nicht, wo die Lösung anders liegen soll als im Sozialismus,“ lässt sich nun auch Engels hören. „Aber im Prinzip ist es natürlich richtig und notwendig, niemals mit Scheuklappen an den Erklärungen Andersdenkender vorüberzutraben…“
    „Das ist der größte Fehler,“ fällt hier Marx mit altem Kämpfertemperament in die Diskussion ein, „ich könnte mich im Grabe umdrehen, wenn ich sehe, wie meine Anhängerschaft da unten nur mein dickes „Kapital“ gelten lässt, - und seit 100 Jahren nichts mehr dazu lernen will.“
    „Urteilen Sie nicht so hart über die Leute, verehrter Marx,“ warf nun Gesell wieder ein, „wer die Sache selber nicht versteht, der ist eben heilfroh, wenn er sich auf ein Buch berufen kann; Sie dürfen versichert sein, auch unter meinen Anhängern gibt es solche.“ Da schmunzelten sie alle zusammen, - dieser Gesell scheint ja seine Leute auch zu kennen.
    Inzwischen war in samtdunkler Nacht der vom Mond umkreiste Erdplanet in den Gesichtskreis der Betrachter getreten. Sie sahen eine Weile schweigend herunter, wie die Brandung der Meere die Kontinente umspülte, sahen die wogenden Weizenfelder, die Vieh-Herden auf saftigen Weidegründen, die grünenden Wälder und an den hauchfeinen Linien der Straßen und Bahndämme die schimmernden Städte der Menschen. Andere Teile der Erde waren freilich verödet und kahl; aschgraue Flecke bezeichneten die Stellen, an denen einst blühende Städte standen.
    „Es ist kaum vorstellbar,“ brach nun Karl Marx das Schweigen, „dass das alles zugrundegehen sollte, nur weil das Menschenvolk da unten nicht imstande ist, sich selber eine bessere soziale Ordnung zu geben.“
    „Ja, der soziale Unfriede ist ein Sprengstoff,“ – Gesell wiederholt hier, was er so oft auf Erden gesagt hat, - „der alles zerstört, Bürgerkriege und Völkerkriege entfacht!“
    „Das Bedenklichste scheint mir zu sein,“ nimmt nun Proudhon den Faden des Gesprächs auf, „dass die kämpfenden Parteien von „Ost“ und „West“ alle beide die Lösung verfehlen. Je weniger Verstand sie haben, das Richtige zu tun, desto mehr Gewalttätigkeit legen sie an den Tag, das Unheil durchzusetzen!“
    „Sehr richtig! Genau diesen Eindruck habe ich auch,“ bestätigt Friedrich Engels, „aber das kann doch nur daran liegen, dass das Richtige nicht so leicht zu begreifen ist…“
    „Oho, meine Herren! – ich sehe, ich muss Ihnen die Sache erklären,“ schaltet sich Gesell wieder ein, „Sie werden mich bedauern, dass ich 40 Jahre lang solche Selbstverständlichkeiten lehren musste, die jeder unverbildete Mensch begreifen kann, - wenn er einmal auf die richtige Spur gekommen ist.“
    Gesell sieht, wie seine Zuhörer aufmerksam zusammenrücken und holt nun aus: „Meine Herren! Ich muss vorausschicken, ich habe einen ganz großen Glauben an die Menschheit; da steckt noch etwas drin, von dem unsere Zeit noch keinen Schimmer ahnen konnte. Aber um das herauszuholen, dazu gehört eben eine Gesellschaftsordnung der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit.“ – Hier nickt Karl Marx beifällig, denn das ist das Ziel des Sozialismus. – „Sie haben sich,“ fährt nun Gesell fort, „alle drei um diese Fragen redlich bemüht. Ich will Ihnen keine Komplimente machen – darüber sind wir hier längst hinaus -; aber ich muss auf Ihre Leistungen zurückgreifen, um den Werdegang der Klärung darzustellen. Sie, verehrter Marx, haben eine Kritik des Kapitalismus geliefert, die die Welt erschüttert hat, Sie haben das soziale Gewissen wachgerüttelt und gewaltige Kräfte geweckt, die auf eine Änderung drängen. Was verschlägt es, dass Sie auch geirrt haben? Hier sitzt ja unser Freund Proudhon, der diese Scharte ausgewetzt hat! Proudhon, Sie haben erkannt, dass die Macht des Kapitalismus nicht einfach im Privateigentum an den Produktionsmitteln, sondern in der Überlegenheit des Geldes über die Ware wurzelt. Von dort her kommt nämlich der Anspruch auf den „Mehrwert“, den Zins, den Kapital-Ertrag. Sie haben auch schon gesehen, wenn dieser Tribut-Forderung nicht stattgegeben wird, dann streikt das Geld und zerstört damit den volkswirtschaftlichen Kreislauf der Leistungen. Sie schrieben damals: „Verschafft der Volkswirtschaft einen geschlossenen Kreislauf, d. h. einen vollkommenen und regelmäßigen Güteraustausch … und die menschliche Gemeinschaft ist gesichert, die Arbeit vernunftmäßig geordnet.“ Die Richtigkeit Ihrer Gedanken hat sich unzählige Male bestätigt, der Streik des Geldkapitals hat zahllose Krisen verursacht.“
    „Darf ich hier unterbrechen?“, wendet sich jetzt Karl Marx an den Sprechenden. „Soweit kann ich Ihnen zustimmen, aber für die soziale Gerechtigkeit kommt es darauf an, dass es keine Ausbeutung mehr gibt! Wie soll das ermöglicht werden, wenn das Privateigentum an den Produktionsmitteln bestehen bleibt?“
    Gesell nickte verstehend und nahm den Gedanken von Marx sofort auf: „Wir sind uns einig, dahin geht auch unser Weg; aber ich kann Ihnen auch das mit den Worten des einstmals so verkannten Proudhon aufzeigen. Merken Sie gut auf: „Wenn dem Unternehmer das Geldkapital zur Hälfte des jetzigen Zinses angeboten würde, so müsste auch bald der Zinsertrag aller übrigen Kapitalien um die Hälfte heruntergehen. Wenn z. B. ein Haus mehr Miete abwirft, als den Unternehmer das Baugeld an Zins kostet, …so wird der Wettbewerb unfehlbar eine Herabsetzung der Mieten … auf die Höhe des herabgesetzten Geldzinses herbeiführen (also den Mehrwert schmälern), denn das sicherste Mittel, um ein aktives Kapital zu entwerten … besteht doch darin, neben ihm andere, neue Kapitalien zu schaffen und in Betrieb zu setzen. – Nach allen wirtschaftlichen Gesetzen vermehrt eine größere Erzeugung auch die Masse des den Arbeitern angebotenen Kapitals, hebt die Löhne und muss schließlich den Zins (Mehrwert) auf Null bringen.“
    Karl Marx hatte diese Worte mit steigender Erregung angehört, jetzt aber sprang er auf: „Freunde! Genossen! Mir fällt es wie Schuppen von den Augen! Proudhon hat Recht gehabt! Natürlich! Kinder, Kinder,“ – er griff sich mit beiden Händen in die Haare – „hinter meiner falschen Theorie steht das Proletariat der Welt und kämpft seit einem Menschenalter mit Streiks gegen den Kapitalismus, anstatt umgekehrt die ununterbrochene Fortsetzung der Arbeit und der Kapitalbildung zu erzwingen! Aber jetzt sagen Sie mir noch eines, Meister Gesell, wie wollen Sie, wenn es richtig ist, den Hebel am Geldwesen anzusetzen, die Kontrolle über die Transaktionen der Kapitalisten bekommen?“
    „Das ist sehr einfach, weitaus einfacher als die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und einfacher als die Planwirtschaft,“ fuhr nun Gesell wieder fort. „Wir brauchen nur die natürliche Vergänglichkeit der Ware und der Arbeitskraft auch dem Geld aufzubürden. Sie sollen sehen, sobald Geldscheine und Münzen (genauer: alles Zentralbankgeld, d. h. alles Bargeld plus die Zentralbankguthaben aller Geschäftsbanken) einem bestimmten, periodisch auftretenden Nennwertverlust unterworfen werden, wie ich es mit meiner Freigeld-Reform wollte, tun alle Kapitalisten genau das, was im Interesse der Arbeit nötig ist. Wer mehr Geld einnimmt, als er für seine Verbrauchsausgaben benötigt, der kann den Überschuss nur in der Form des Verleihens sparen; damit fördert er die Kapitalbildung, das Geld bleibt im Umlauf, die fortschreitende Kapitalbildung drückt den Kapitalertrag (Zins, Mehrwert) – und das Ganze kommt den arbeitenden Menschen zugute…“
    „Großartig! – Meister Gesell! – Ich sehe, es bedarf ja gar nicht der Aufhebung des Privateigentums.“ Wieder hatte Marx in ungestümer Begeisterung den Fluss der Rede Gesells unterbrochen.
    „Soweit es sich um die Produktionsmittel handelt, gewiss nicht,“ erwiderte Gesell, „aber beim Grund und Boden liegt die Sache anders; doch darüber müssen wir ein andermal sprechen.“
    Nach einer kleinen Weile nahm Gesell nochmals das Wort und wandte sich diesmal an Engels: „Sind denn nicht Sie, lieber Engels, der Sache selber schon ziemlich nahe gekommen?“
    „Doch, doch, es hat mich stark beschäftigt, wenn ich auch den Faden wieder verloren habe,“ antwortete der Angesprochene bedächtig.
    „Ja, ich weiß genau,“ hilft Gesell dem Gedächtnis seines Gegenüber nach, „Sie haben im „Anti-Dühring“ geschrieben: „…wenn man nicht verhindert, dass die einen sich einen kleinen Geldschatz zurücklegen…, sind alle Bedingungen gegeben einerseits zur Schatzbildung, andererseits zur Verschuldung. Alle Gesetze und Verwaltungsnormen der Welt sind ebenso ohnmächtig dagegen, wie gegen das Einmaleins … Und da der Schatzbildner in der Lage ist, Zins zu erpressen, so ist damit auch der Zinswucher wiederhergestellt. Die Wucherer verwandeln sich in Händler mit dem Zirkulationsmittel, in Bankiers, in Beherrscher des Weltgeldes, der Produktion, der Produktionsmittel, mögen diese auch noch jahrelang dem Namen nach als Eigentum der Wirtschafts- und Handels-Kommune figurieren.“
    Friedrich Engels hatte mit wachsendem Erstaunen zugehört, um nun Gesell spontan die Hand zu reichen: „Verehrter Freund, gestatten Sie, dass auch ich Sie von ganzem Herzen so nenne; ich bin überrascht, wie gründlich Sie sich mit den Arbeiten von Marx, von Proudhon und von mir – und sicher auch von vielen anderen – befasst haben. Und jetzt fange ich an, für die Welt etwas zuversichtlicher zu sehen. Wenn nämlich unser Anhang da unten auch nur mit einem winzigen Bruchteil von der Sorgfalt, die Sie unseren Werken gewidmet haben, an Ihr Werk herangeht, dann müssten diese Menschen doch von allen guten Geistern verlassen sein, wenn sie nicht doch noch dahinter kämen, was sie zu tun haben.“
    „Das will ich meinen,“ bekräftigt nun auch Karl Marx, „wenn irgendetwas da unten die Weltkatastrophe verhindern kann, dann ist es die Lösung der sozialen Frage unter Wahrung der Freiheit. Ich habe das als ein fernes Endziel des Sozialismus angesehen, Silvio Gesell hat mir gezeigt, dass es von Anfang an so sein kann.“ Damit erhob er sich, sah noch einmal mit einem langen Blick auf die Erde herunter und ging dann, Gesell zur Seite nehmend und von Engels und Proudhon gefolgt, die Milchstraße zurück – in die Gefilde der Seligen.

C. H. Wilhelm (aus „Der Funke“, herausgegeben von Karl Walker, 1949)

Vielen Dank an Tristan Abromeit, der diesen schönen Artikel ausgegraben hat, damit er nicht wieder in Vergessenheit gerät. Bedauerlicherweise wurde von der Masse alles vergessen oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen, was die Lösung der sozialen Frage betrifft. Denn um ein Problem lösen zu können, muss zuerst das Problem erkannt werden; ist das Problem erkannt und handelt es sich um eines, das den Weltfrieden unmöglich macht, aber die einzige Lösung (Erlösung) liegt zum Zeitpunkt der Erkenntnis des Problems noch in weiter Ferne, muss das Problem nicht nur verschwiegen, sondern aktiv verborgen werden:

(Lutherbibel 1984 / Genesis_3,9-24) Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

Garten Eden / Paradies = freie Marktwirtschaft
Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
Baum des Lebens = Geldkreislauf
Baum der Erkenntnis = Geldverleih
Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
Gott (Jahwe) = künstlicher Archetyp: „Investor“
Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch
Frau / Eva = Finanzkapital / der in Sachkapital investierende Kulturmensch
Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer)
Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
Nachkommen der Schlange = Geldersparnisse
Nachkommen der Frau = neue Sachkapitalien
Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)
Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz)
Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus
Cherubim = Denkblockaden

Indem die archetypischen Bilder und Metaphern auf der linken Seite mit allem anderen in Verbindung gebracht werden als dem, was sie hinter den Gleichheitszeichen auf der rechten Seite bedeuten, wird seit über drei Jahrtausenden die Erbsünde, die bisher alle Kulturen und Weltreiche in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit zerstörte, aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes ausgeblendet und den Verblendeten bleiben alle elementaren makroökonomischen Zusammenhänge, die der Mythos korrekt umschreibt, vollkommen unverständlich. Die Natürliche Wirtschaftsordnung wurde bis heute nicht verwirklicht, obwohl das nicht erst seit Silvio Gesell, sondern schon seit Jesus von Nazareth möglich gewesen wäre:


Zwei Jahrtausende nach Jesus von Nazareth und ein Jahrhundert nach Silvio Gesell wissen die Allermeisten nichts von der Basis allen menschlichen Zusammenlebens…


…und der grundlegendsten zwischenmenschlichen Beziehung:


Von „Geistlichen“ (hochgradig Geisteskranken) abgesehen, sind vom kollektiv Unbewussten gewählte „Spitzenpolitiker“ und an staatlichen Hochschulen (Verdummungsanstalten) indoktrinierte „Wirtschaftsexperten“ in besonderem Maße von der religiösen Verblendung betroffen: Sie wissen weniger als nichts. Denn wer sich nur mit Unsinn beschäftigt, muss sich zuerst aus einem umso tieferen Ozean von Vorurteilen befreien, um mit dem selbständigen Denken überhaupt anfangen zu können. Die Religion, die Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor, hat ganze Arbeit geleistet:


Was die halbwegs zivilisierte Menschheit zum Umdenken zwingen wird, ist die gegenwärtige „Finanzkrise“, die beginnende globale Liquiditätsfalle (Armageddon). Seit der Krieg – zur umfassenden Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – aufgrund der atomaren Bedrohung nicht mehr der Vater aller Dinge sein kann, verbleiben der politischen Seifenoper nur zwei Möglichkeiten, um das Elend zu verlängern: Erhöhung der Staatsverschuldung und Geldmengenausweitung. Beides wird seit 2009 exzessiv betrieben und stößt unaufhaltsam an die absolute Grenze des für die „großen Investoren“ noch Vertretbaren. Ist die Grenze überschritten, fallen die Börsenkurse ins Bodenlose und die Weltwirtschaft muss wieder schrumpfen. Doch diesmal ist der Schrumpfungsprozess durch „politische Maßnahmen“ nicht mehr aufzuhalten! Es verbleiben wiederum zwei Möglichkeiten – der Rückfall in die Steinzeit, oder der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation:



Stefan Wehmeier, 21.08.2014


Freitag, 29. November 2013

Einführung in die Wahrheit



"Eine Lüge, die nicht mit einer Wahrheit anfängt, wird nicht geglaubt."

(Alte jüdische Weisheit)

Die erste Wahrheit ist, dass diese Welt und ihre Bewohner durch den Gott Jahwe erschaffen wurden. Die erste Lüge ist, dass diese "Schöpfung durch das Wort" die physische Welt und den biologischen Menschen betrifft. Davon steht nichts in der Genesis. Die Lüge ist nur eine Fehlinterpretation der Priester, die die kleine Geschichte von Adam und Eva im Paradies, mit der alles begann, gegenständlich-naiv als zwei nackte Menschen in einem Obstgarten darstellen. Um bei denen, die die "Geistlichen" noch nicht als Geisteskranke identifizieren konnten, glaubhafter zu erscheinen, werden der ersten Lüge weitere Lügen hinzugefügt, die weniger gegenständlich, aber dafür umso naiver sind: http://de.wikipedia.org/wiki/Erbsünde

Es lügen alle Juden, die die Erbsünde leugnen, es lügen alle Katholiken, die sich mit der Taufe von der Erbsünde erlöst glauben, und es lügen alle Moslems, die sich schon seit der "Vertreibung aus dem Paradies" von der Erbsünde entschuldigt glauben. Die Wahrheit über die Erbsünde ist, dass wir alle in der Erbsünde existieren und dass aus ihr immer weitere Lügen entstehen, bis sich das ganze Lügengebäude am Ende selbst ad absurdum führt und damit auch die Religion verschwindet. Die ursprünglichen Verfasser der originalen Heiligen Schrift (die Bibel nur bis Genesis_11,9) kannten die wahre Bedeutung der Erbsünde, die in Genesis_3,1-24 mit den vor 3000 Jahren zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln wissenschaftlich exakt umschrieben ist. Weil aber noch niemand wusste, wie die Erbsünde zu überwinden ist, aus der tatsächlich alle Zivilisationsprobleme – oder, wenn man so will, alle bösen Taten – entstehen, musste diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes aktiv ausgeblendet werden, damit "diese Welt" überhaupt entstehen konnte. Das – und nichts anderes – war (und ist noch) die eigentliche Aufgabe aller jüdischen, katholischen und islamischen Priester, auch wenn sie schon lange nicht mehr wissen, was sie tun. Die katholischen und islamischen Priester wussten es nie, und die jüdischen Oberpriester kannten die wahre Bedeutung der Erbsünde etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert. Ansonsten ist es egal, welchen Unsinn die Priester predigen; Hauptsache, die wahre Bedeutung der Erbsünde bleibt dadurch im Verborgenen.

Jemand, der die wahre Bedeutung der Erbsünde erkennt (Auferstehung), ohne bereits zu wissen, wie sie zu überwinden ist, muss buchstäblich "über den Rand der Welt fallen", d. h., er kann mit "dieser Welt" nichts mehr anfangen. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als solange in der Wüste zu meditieren, bis er die einzige Lösung (Erlösung) zur Überwindung der Erbsünde gefunden hat (Erleuchtung). Und auch dann ist er nicht von der Erbsünde erlöst, denn es handelt sich um ein kollektives Phänomen, das nicht jeder für sich, sondern nur ein ganzes Volk gemeinsam überwinden kann. Für die Überwindung der Erbsünde muss also ein ganzes Volk erleuchtet werden! Aber schon zu Lebzeiten des ersten Erleuchteten, Jesus von Nazareth, hatte die jüdische Priesterschaft seit über einem Jahrtausend auf das Volk eingeredet und soviel Unsinn verbreitet, dass der Erleuchtete bekanntlich nicht mehr als zwölf Zeitgenossen fand, denen er sich halbwegs verständlich machen konnte.

Im 21. Jahrhundert sieht die Sache nicht besser aus. Mittlerweile haben die Priester mehr als drei Jahrtausende auf das Volk eingeredet und noch viel mehr Unsinn verbreitet. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die politische Seifenoper die eingangs zitierte, alte jüdische Weisheit verinnerlicht hat und die Priesterschaft im Verbreiten von Unsinn aller Art tatkräftig unterstützt. Damit nicht genug, liefern sich in staatlichen Verdummungsanstalten indoktrinierte Politologen, Soziologen, Philosophen, Wirtschafts"wissen"schaftler, etc. ein Wettrennen im Verbreiten von weiterem Unsinn. Der "Normalbürger", ob "gläubig" oder "ungläubig", hat sich von diesem Unsinn, der alle Lebensbereiche durchdringt, so dermaßen verwirren lassen, dass es auch im Zeitalter des Internets nicht leicht ist, die ersten Zeitgenossen zu finden, denen man sich halbwegs verständlich machen kann, auch wenn die ganze Angelegenheit, rein technisch betrachtet, relativ einfach ist.

Was mit Jesus geschah, ist hinlänglich bekannt, was aus seinem Nachlass wurde, so gut wie unbekannt. Die originalen Heiligen Schriften des Urchristentums, aus denen die wahre Bedeutung der Erbsünde und die einzige Möglichkeit zu ihrer Überwindung sowie der wirkliche Name Gottes noch erkennbar waren, wurden verbrannt; alle Gelehrten, die die originalen Heiligen Schriften gelesen hatten, wurden ermordet; das größte Genie aller Zeiten wurde im Nachhinein zu einem moralisierenden Wanderprediger degradiert; und die "Bildzeitung der Antike" (die vier biblischen Evangelien) wurde zum "neuen Testament" eines Cargo-Kultes, der sich heute "moderne Zivilisation" nennt. Hätte die Menschheit frühzeitig begriffen, was wahre Nächstenliebe ist, die die Erbsünde – und damit auch alle Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen – überwindet, wäre der heutige Stand des Wissens und der Technologie, aber ohne Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg, schon im 3. oder 4. Jahrhundert erreicht worden. Aber bis heute glaubt die halbwegs zivilisierte Menschheit viel lieber an "überirdische Hoffnungen", anstatt den "Himmel auf Erden" zu verwirklichen:


"Die Wahrheit hat weder Waffen nötig, um sich zu verteidigen, noch Gewalttätigkeit, um die Menschen zu zwingen, an sie zu glauben. Sie hat nur zu erscheinen, und sobald ihr Licht die Wolken, die sie verbergen, verscheucht hat, ist ihr Sieg gesichert."

Friedrich der Große (König von Preußen, 1712 – 1786)

Das Leben im Paradies ist nicht ein hypothetisches "Jenseits" nach dem biologischen Tod des Einzelmenschen (davon steht nichts in der Genesis; es ist nur eine Lüge der Priester), sondern das wahre Leben für alle lebendigen Menschen nach dem geistigen Tod. Der geistige Tod entstand aus allen Lügen, die bis heute von Priestern verbreitet wurden, um die wirkliche Bedeutung der Erbsünde aus dem Begriffsvermögen des Volkes auszublenden. Der geistige Tod betrifft die ganze halbwegs zivilisierte Menschheit bis zum Jüngsten Tag, an dem sich die Wahrheit für alle Menschen enthüllt. Die Überwindung des geistigen Todes ist die Auferstehung. Danach beginnt das ewige Leben; nicht aber ein hypothetisches "ewiges Leben" des Einzelmenschen, sondern das reale Leben der ganzen Menschheit in absoluter sozialer Gerechtigkeit, allgemeinem Wohlstand und ewigem Weltfrieden:


"Damit der Mensch gedeihe, muss es ihm möglich gemacht sein, sich in allen Lagen so zu geben, wie er ist. Der Mensch soll sein, nicht scheinen. Er muss immer erhobenen Hauptes durchs Leben gehen können und stets die lautere Wahrheit sagen dürfen, ohne dass ihm daraus Ungemach und Schaden erwachse. Die Wahrhaftigkeit soll kein Vorrecht der Helden bleiben. Die Wirtschaftsordnung muss derart gestaltet sein, dass der wahrhaftige Mensch auch wirtschaftlich vor allen am besten gedeihen kann. Die Abhängigkeiten, die das Gesellschaftsleben mit sich bringt, sollen nur die Sachen, nicht die Menschen betreffen."

(Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918)

Silvio Gesell (1862 – 1930) veröffentlichte die erste vollständige Theorie zur Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) bereits im Jahr 1906. Sein späteres Hauptwerk "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" (1916), in dem alle makroökonomischen Zusammenhänge noch genauer beschrieben sind, wäre für die rein technische Verwirklichung des eigentlichen Beginns der menschlichen Zivilisation nicht mehr nötig gewesen – konnte aber, obwohl es "ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht", vom "Normalbürger", der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im "Programm Genesis" befindet, bis heute nicht verstanden werden. Es sind drei kulturelle Entwicklungsstufen zu unterscheiden, und erst heute erfolgt der Übergang von der zweiten zur dritten Stufe:

Erste Stufe: zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus)
Zweite Stufe: Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistische Marktwirtschaft)
Dritte Stufe: Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus)

Die Gedankenwelt des "Normalbürgers" im zivilisatorischen Mittelalter wird vom künstlichen Archetyp Jahwe = Investor im kollektiv Unbewussten gesteuert, der erfunden wurde, um die halbwegs zivilisierte Menschheit an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld anzupassen. Erst das Geld, als eine Universalware, die sich gegen alle anderen Waren tauschen lässt, ermöglicht eine entwickelte Arbeitsteilung und persönliche Freiheit durch Geldersparnisse. Solange das Geld aber noch fehlerhaft ist und die Gesellschaft in Herrscher (Zinsgewinner) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, kann auf die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) und die damit verbundene Lügerei nicht verzichtet werden, um die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden und alle daraus entstehenden Zivilisationsprobleme einer hypothetischen "Sündhaftigkeit des Menschen" anzulasten.

Noch beherrscht das Geld den Menschen, bis seine älteste und stärkste Motivation, das Beherrschenwollen der Dinge, den "von Göttern und Anbetungen erlösten Übermenschen" auch das Geld beherrschen lässt:



Stefan Wehmeier, 29.11.2013


Sonntag, 24. November 2013

Der Wille zur Macht



"Der Gebrauch der Vernunft ist für die Menschheit noch zu neu und zu unvollkommen, um die Gesetze des Unbewussten enthüllen zu können und besonders, um es zu ersetzen. Der Anteil des Unbewussten an unseren Handlungen ist ungeheuer und der Anteil der Vernunft sehr klein."

Gustave Le Bon konnte in "Psychologie der Massen" (1895) nur die Auswirkungen der "Gesetze des Unbewussten" beschreiben, die eine Massengesellschaft zu unvernünftigen Handlungen treibt. Friedrich Nietzsche hätte erkannt, dass es sich dabei nur um die Religion handeln kann, die den "Willen zur Macht" unterdrückt. Tatsächlich ist die Religion – damit ist der gemeinsame Ursprung von Judentum, Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute "christlich" nennt) und Islam gemeint – eine vor über drei Jahrtausenden erdachte, spezifische Programmierung des kollektiv Unbewussten zur Machtausübung des Menschen über andere Menschen oder Menschengruppen. Aber genau diese Machtausübung über andere Menschen, die zur Klassengesellschaft führt, gilt es zu überwinden, damit sich der erst halb zivilisierte Mensch zum vollständig zivilisierten Übermenschen entwickeln kann:

"Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehre ich's dich – Wille zur Macht!"

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.

Mit dem Willen zur Macht ist keinesfalls das Beherrschenwollen anderer Menschen gemeint, sondern das Beherrschenwollen der Dinge. Hier liegt der zentrale Denkfehler derer, die die Philosophie Nietzsches nicht verstehen, weil sie entweder das eigene Beherrschtwerden für eine "Tugend" halten, oder selbst nichts anderes im Sinn haben, als andere zu beherrschen. Gerade dieses Beherrschen und Beherrschtwerden, die Fremdbestimmung, mit der sich alle gegenseitig auf die Füße treten und behindern, muss beendet werden, damit der darum bis heute noch machtlose Mensch zum "von Göttern und Anbetungen erlösten Übermenschen" wird, der über die wahre Macht, die Beherrschung der Dinge, verfügt.

Diesem Denkfehler bedient sich die marxistische Propaganda (der ganze Marxismus ist nur Propaganda, d. h. Bauernfängerei, es gibt also keine "marxistische Philosophie"), wenn sie Nietzsche als einen "Vordenker des Nationalsozialismus" zu diffamieren versucht, so wie Marxisten jede Philosophie als "nationalsozialistisch" diffamieren, die den Kollektivismus strikt ablehnt. Dass der Nationalsozialismus alles andere als individualistisch ist, spielt keine Rolle, denn für die Diffamierung (etwas anderes haben Marxisten noch nie gekonnt) in einer abergläubischen Gesellschaft muss eine Philosophie nur "in die rechte Ecke gestellt" werden. Dabei ist schon die Unterscheidung in "politisch links" und "politisch rechts" unsinnig, so wie die Politik überhaupt unsinnig ist. In der ganzen "hohen Politik" geht es ja um nichts anderes als die Machtausübung des Menschen über andere Menschen. Es ist sinnlos, darüber zu streiten, wie die Machtpolitik zu gestalten ist – sie ist abzuschaffen! Aber genau das sucht die Ersatzreligion des Marxismus zu verhindern, die in Wahrheit eine noch primitivere und gewalttätigere Form der Machtausübung über andere Menschen darstellt als jene Religion, die zum "Auszug der Israeliten aus Ägypten" führte, der Weiterentwicklung der menschlichen Kultur vom Ursozialismus (z. B. vorantikes Ägypten) zur Marktwirtschaft. Der Marxismus ist also nur eine geistige "Rückkehr nach Ägypten" und der Marxist noch nicht einmal ein "lebendiger Mensch" (nach der Definition der Genesis), sondern ein "Kamel":


Nietzsche lässt seinen Zarathustra drei geistige Verwandlungen beschreiben, in denen die Fremdbestimmung des Kulturmenschen zuerst maximal, dann reduziert ist und zuletzt ganz verschwindet. Wenn wir "links" und "rechts" nicht machtpolitisch-ideologisch, sondern kulturhistorisch korrekt als "fortschrittlich" und "reaktionär" auffassen, kommen wir zu dem, was der Sozialphilosoph Silvio Gesell, der die Soziale Frage lösen konnte, im vierten Vorwort (1920) zur Natürlichen Wirtschaftsordnung schrieb:

"Steht der in Gütergemeinschaft lebende Kommunist am äußersten rechten Flügel, am Ausgangstor der gesellschaftlichen Entwicklung, bedeutet darum die kommunistische Forderung den letzten reaktionären Schritt, so muss die Natürliche Wirtschaftsordnung als Programm der Aktion, des Fortschritts des äußersten linken Flügelmannes angesehen werden. Alles, was dazwischen liegt, sind nur Entwicklungsstationen."

Seit der Französischen Revolution (1789 – 1799), die vom Feudalismus zur "repräsentativen Demokratie" führte, bedeutete "politisch links" = fortschrittlich liberal und "politisch rechts" = konservativ antiliberal. Dann erschien der maximal antiliberale Reaktionär Karl Marx und verbreitete seine Ersatzreligion mit "politisch links" = sozial antikapitalistisch und "politisch rechts" = liberal kapitalistisch. Seitdem ist die allgemeine Verwirrung total und kann nur noch durch die komplette Abschaffung der politischen Seifenoper bereinigt werden:


"Der Wille zur Macht" sollte Nietzsches Hauptwerk werden, das er aber nicht vollenden konnte, weil ihm das nötige Basiswissen fehlte. Dennoch kam er in seinen Überlegungen weiter als alle anderen Philosophen bis in die Gegenwart, die in "philosophischen Quartetten" ihre hoffnungslose geistige Verwirrtheit zur Schau stellen, bis auch das Publikum jede Hoffnung verliert – während das Basiswissen, das Nietzsche noch fehlte, heute längst zur Verfügung steht. In einer Welt, die ihre naiven Denkschablonen von "gut" und "böse" noch immer nicht überwunden hat, können die "modernen" Philosophen jedoch nur "des Volkes Aberglauben – und nicht der Wahrheit – dienen", wenn das abergläubische Volk die Dummschwätzer für die "berühmten Weisen" halten soll.

Parallel zur Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, die heute sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat, hat auch der Aberglaube ein kaum noch zu überbietendes Ausmaß angenommen. Was der "Normalbürger" im einstigen Land der Dichter und Denker für die "soziale Marktwirtschaft" hält, ist nicht die Soziale Marktwirtschaft, die prinzipbedingt und unabhängig vom Stand der Technologie für natürliche Vollbeschäftigung und absolute soziale Gerechtigkeit sorgt,…


…sondern eine kapitalistisch pervertierte Marktwirtschaft mit angehängtem "Sozialstaat", entstanden aus der "katholischen Soziallehre". Alle bisherigen Versuche, die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) zu verwirklichen, wurden von der Religion im Keim erstickt – wobei dieses Unwesen niemals aus bewusstem Handeln besteht.

Ist beim "Normalbürger" der Anteil der vernünftigen Handlungen "sehr klein", so ist er beim "Geistlichen" gleich Null – was wiederum bewirkt, dass beim "Normalbürger", der den Geisteskranken für einen "Geistlichen" hält, der Anteil der Vernunft nicht wächst. Aufgrund der Religion, der Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe, hat der "Normalbürger" nichts anderes als das "Glück der Knechte" im Sinn, d. h., er will auf Kosten anderer existieren (Himmel der Zinsgewinner), damit andere nicht auf seine Kosten existieren (Hölle der Zinsverlierer). Im zivilisatorischen Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) gibt es nur diese beiden Möglichkeiten, sowohl für jeden Einzelnen als auch für ganze Nationalstaaten, die sich gegenseitig in die Schuldenfalle treiben müssen, bis der nächste Krieg unvermeidlich wird. Wer das nicht weiß, kann nur "Volksvertreter" wählen, die dem "Glück der Knechte" nicht im Weg stehen und die darum auch keine Volksvertreter sind, sondern solche, die den Staat als eine "Anstalt zur zwangsweisen Einziehung des arbeitslosen Einkommens" erhalten wollen, und sonst gar nichts:


Da stehen wir nun mit unserer "Meinungs- und Glaubensfreiheit" in unserer "repräsentativen Demokratie" und müssen einsehen, dass in Wirklichkeit der "liebe Gott" für die Dummen (künstlicher Archetyp Jahwe = Investor) der Souverän der Bundesrepublik Deutschland ist und nicht das deutsche Volk! Politisch zu "denken", d. h. sich Gedanken darüber zu machen, mit welcher politisch-ideologischen Ausrichtung die Machtausübung des Menschen über andere Menschen funktionieren könnte, ist sinnlos. Wer mit dem Denken anfangen will, muss wissen, dass nicht die "hohe Politik", sondern die Arbeitsteilung den Menschen über den Tierzustand erhob, und dass allein die Qualität der makroökonomischen Grundordnung den Grad der Zivilisiertheit bestimmt, die der Kulturmensch erreichen kann. Die ganze Machtpolitik ist nur der Versuch, etwas zu "regeln", was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Urzins (Frucht vom Baum der Erkenntnis) befreite Spiel der Kräfte von Angebot (Erde) und Nachfrage (Himmel) nicht selbst regelt:


Der Übermensch ist der selbstbestimmte Mensch in der vom Privatkapitalismus (Erbsünde) befreiten Marktwirtschaft (Paradies). Schon bevor diese erstmals in "Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform" (Silvio Gesell, 1906) wissenschaftlich exakt beschrieben war, hatte sich der Philosoph Friedrich Nietzsche überlegt: Wenn die "Prediger des Todes" sich einen Jesus erfinden konnten, der er mit Sicherheit nicht war, kann ich einen Propheten erfinden, der das Leben erklärt:


Nietzsches Zarathustra ist der Prophet Jesus von Nazareth, der er wirklich war: der erste Denker in der bekannten Geschichte, der die Natürliche Wirtschaftsordnung erkannt hatte, 19 Jahrhunderte vor dem Genie Silvio Gesell. Doch die von den "Predigern des Todes" aufrecht erhaltene Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe, die einerseits die Menschheit aus der unbewussten Sklaverei des Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus befreite, aber andererseits dem noch immer unbewussten Kulturmenschen die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde nicht erkennen ließ, verhinderte bis heute den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation:


Jetzt sind die "Gesetze des Unbewussten" endlich enthüllt. Was macht den bewussten, aus dem geistigen Tod der Religion auferstandenen Menschen zum Übermenschen?

"Sie werden nicht wie Götter sein, denn keine Götter, die wir uns vorstellen können, haben je über die Kräfte verfügt, die diese Wesen besitzen werden."

Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

Der noch unbewusste Mensch projiziert das Hirngespinst Gott (der künstliche Archetyp im Unterbewusstsein), von dem er gesteuert wird, auf irgendeine Hypothese Gott, der er eine absolute Macht über seine Existenz zugesteht. Dabei denkt der Untertan nur an die Machtausübung über andere Menschen, denn zu nichts anderem wurden die Götter erfunden. Der bewusste, aus der religiösen Verblendung auferstandene Übermensch glaubt dagegen nicht an "überirdische Hoffnungen" und "bleibt der Erde treu", denn:

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde": von der Zeit an sitzt der Reiche im Himmel und der Arme liegt auf der Erde.

(Alte jüdische Weisheit)

Im Kapitalismus – im Staatskapitalismus noch mehr als im Privatkapitalismus – geht es immer nur darum, sich auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu bereichern. Das – und nichts anderes – sind die wirklichen "überirdischen Hoffnungen" aller noch unbewussten (religiös verblendeten) Menschen, die damit die gesamte Kultur zerstören. Durch den kollektiven Wahnsinn der Religion wurden mehr als anderthalb Jahrtausende potentieller Kulturentwicklung vernichtet! Der heutige Stand des Wissens und der Technologie, aber ohne Massenarmut und Umweltzerstörung, hätte schon im 3. oder 4. Jahrhundert erreicht werden können, wenn die Menschheit begriffen hätte, dass wahre Nächstenliebe (Eigennutz = Gemeinnutz) nichts anderes ist als vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz:


Die primitivste Kulturstufe ist eine sozialistische Planwirtschaft (Staatskapitalismus), in der die marktwirtschaftliche Konkurrenz ausgeschaltet ist. Ein jüngeres Beispiel war der "Schrotthaufen DDR", der in nur 20 Jahren Marktwirtschaft – auch wenn es noch immer eine kapitalistische Marktwirtschaft mit eingeschränkter Konkurrenz ist – in einen halbwegs zivilisierten Zustand gebracht wurde. Was ist in nur 20 Jahren Freiwirtschaft zu erreichen?  

Die Natürliche Wirtschaftsordnung ist gegenüber der kapitalistischen Marktwirtschaft noch bedeutend leistungsfähiger als diese gegenüber dem Staatskapitalismus. Schon ab der gesetzlich verbindlichen Ankündigung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform wird kein Mensch mehr verhungern müssen, und beim heutigen Stand der Technologie ist es nicht übertrieben zu sagen, dass in nur 5 Jahren Freiwirtschaft die globale Vollbeschäftigung erreicht ist, während die Umweltbelastung nicht etwa erhöht, sondern bereits deutlich gesenkt wird. In 20 Jahren Freiwirtschaft sollten alle Recycling-Prozesse so weit entwickelt sein, dass eine weitere Umweltbelastung kaum noch messbar ist, und der allgemeine Wohlstand sollte ein Niveau erreicht haben, bei dem 20% der heutigen Arbeitszeit für einen Lebensstandard ausreichen, der heute als "überaus luxuriös" angesehen wird. Das ist der Vorteil der Beherrschung der Dinge gegenüber dem Beherrschenwollen anderer Menschen, wenn nur die Basistechnologien berücksichtigt werden, die heute schon vorhanden sind:


"Die Schaffung von Reichtum ist durchaus nichts Verachtenswertes, aber auf lange Sicht gibt es für den Menschen nur zwei lohnende Beschäftigungen: die Suche nach Wissen und die Schaffung von Schönheit. Das steht außer Diskussion – streiten kann man sich höchstens darüber, was von beidem wichtiger ist." 

Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

Der Wille zur Macht ist mehr als der Wille zum Leben. Allgemeiner Wohlstand, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden sind in der Natürlichen Wirtschaftsordnung selbstverständlich. Das Entscheidende ist die Entfaltung der individuellen Kreativität. Zum Übermenschen wird der Mensch, indem die ganze Volkswirtschaft auf seine Ideen so reagiert, wie ein audiophiler Leistungsverstärker auf die feinsten Änderungen seines Eingangssignals. In der Summe ergibt das eine Welt, in der so etwas wie "Alltag" nicht mehr existiert.


Seine Jünger sagten zu ihm: "Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?" Jesus sagte: "Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: "Siehe hier oder siehe dort", sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht."

(Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 113)

Der "Vater der Kultur" ist der vom Urzins befreite "volkswirtschaftliche Kredit", der ein "Königreich des Vaters" entstehen lässt, in dem jeder Mensch zum König wird. Bis heute können aber die allermeisten potentiellen "Könige" ihr Königreich nicht sehen. Der programmierte "Normalbürger" will sich noch immer auf Kosten der Mehrarbeit anderer bereichern (so aussichtslos das in den meisten Einzelfällen auch ist), anstatt sich die einzige Möglichkeit bewusst zu machen, mit eigener Arbeit alle Lebensträume zu verwirklichen:

"Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat."

Silvio Gesell (Vorwort zur 3. Auflage der NWO)

Die Natur des Menschen ist zuallererst egoistisch, und damit kommen wir zurück auf den Willen zur Macht. Das Beherrschenwollen der Dinge ist eine ältere und stärkere Motivation des Menschen als das Beherrschenwollen anderer Menschen. Letzteres war nur "ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch", um ersteres mit der Verwirklichung der idealen Makroökonomie, als Voraussetzung für die klassenlose Zivilgesellschaft, zu erreichen. Doch dafür muss zuerst jede Hoffnung auf das Fortbestehen der alten Ordnung zerstört sein:


Die reale Angst vor Armageddon (globale Liquiditätsfalle) muss insgesamt größer werden, als die seit Jahrtausenden eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion. Erst dann können nicht nur Einzelne, sondern wird ein ganzes Volk zu der Einsicht gelangen: Die Würde des Menschen ist unvereinbar mit der Religion, der unbewussten Anbetung des Kapitalismus, der systemischen Ausbeutung der Arbeit durch den Besitz und der damit verbundenen Untertänigkeit und Beschränktheit.

We're a ship without a storm, the cold without the warm
Light inside the darkness that it needs
We're a laugh without a tear, the hope without the fear
We are coming – HOME!


Das "Licht in der Dunkelheit" ist das deutsche Volk in der "Europäischen Währungsunion", über deren Sinn und Unsinn schon viel geschrieben wurde, aber noch nichts über den eigentlichen Zweck, den sie zu erfüllen hat, bevor sie demnächst wieder aufgelöst wird: der Bundesrepublik Deutschland die echte Soziale Marktwirtschaft ermöglichen!

Nicht nur bei so genannten "Geistlichen" ist der Anteil der vernünftigen Handlungen gleich Null, sondern auch bei so genannten "Spitzenpolitikern", die komplett vom künstlichen Archetyp Jahwe = Investor im kollektiv Unbewussten gesteuert werden. Politiker haben gar keinen Willen zur Macht, d. h. sie wollen niemals die Dinge beherrschen, sondern immer nur andere Menschen. Mit der von der "hohen Politik" verordneten "Gemeinschaftswährung" Euro konnte sich die Bundesrepublik Deutschland durch die Zinsumverteilung innerhalb der EU auf Kosten der anderen Mitgliedsstaaten bereichern und damit heute eine Machtposition erlangen, die es dem Rest der Welt unmöglich macht, sich dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation zu widersetzen, sobald er in Deutschland beschlossen ist. Eine Welteroberung der ganz besonderen Art, bei der niemand geschädigt wird.

Das mag sich zunächst wie Science-Fiction anhören, aber noch vor 30 Jahren konnte sich niemand die deutsche Wiedervereinigung vorstellen. Die Eigendynamik der Entwicklung wird erkennbar, wenn man die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, versteht. Das heutige, gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommene und seit jeher fehlerhafte Geld (Zinsgeld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) führt zu einer zwangsläufigen Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten:


Mit dem Ersatz der vorherigen Landeswährungen durch den Euro und damit auch der Eliminierung freier Wechselkurse wurde die Zinsumverteilung zwischen den europäischen Staaten soweit erhöht, dass die wirtschaftlich schwächsten in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts getrieben wurden, während vor allem die deutsche Volkswirtschaft davon profitierte. Die unbewussten und eigentlich irrationalen Handlungen der europäischen Politiker, die zu dieser Situation geführt haben, erweisen sich im Nachhinein als überaus vorteilhaft für die schnellstmögliche Durchsetzung der Globalen Sozialen Marktwirtschaft, die allerdings nicht mehr von der "hohen Politik", sondern vom arbeitenden Volk initiiert wird.

Sobald die globale Liquiditätsfalle evident wird, werden überall auf der Welt immer mehr Geldersparnisse aus der langfristigen Anlage abgezogen und sowohl auf Girokonten als auch in Bargeld liquide gehalten, während ein Teil dieser internationalen Ersparnisse zum letzten "sicheren Hafen" fließt, d. h. nach Deutschland. Die deutsche Volkswirtschaft wird sich also noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können, während im Rest der Welt immer mehr Massenentlassungen zu fortschreitendem Zerfall der öffentlichen Ordnung führen und in einigen Ländern bereits The Mob Rules.

Nicht die Vernunft, sondern Angst – in der es zumindest in Deutschland noch möglich ist, den eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen – wird die Masse des deutschen Volkes zu der einen Erkenntnis bringen: Wenn auch bei uns das Geld nicht mehr umläuft, verlieren wir alles, also brauchen wir eine konstruktive Geldumlaufsicherung! Alles Weitere ergibt sich von selbst:



Stefan Wehmeier, 24.11.2013


Dienstag, 12. November 2013

Macht oder Konkurrenz



"Wo Liebe ist und Weisheit, da ist weder Furcht noch Ungewissheit; wo Geduld und Demut, weder Zorn noch Aufregung; wo Armut und Freude, nicht Habsucht und Geiz; wo Ruhe und Besinnung, nicht Zerstreuung noch Haltlosigkeit."

Franz von Assisi (1181 - 1226)

Seit den ersten Anfängen der Kulturentwicklung vor 5 bis 10 Jahrtausenden ist die Menschheit in Herrscher und Beherrschte unterteilt; also in solche, die andere ausbeuten, ohne zu wissen, was Gerechtigkeit ist, und in solche, die ausgebeutet werden, ohne zu wissen, was Ungerechtigkeit ist. Wer berechtigterweise ein Problem damit hat, wird in "dieser Welt" nicht nur arm, sondern bettelarm – und entscheidet sich für eine Existenz als Bettelmönch, denn: "…lieber will noch der Mensch das Nichts wollen, als nicht wollen…" (Zitat: Friedrich Nietzsche). Sehr wahrscheinlich war auch Jesus in materieller Hinsicht ein armer Mensch; das heißt aber nicht, dass er "Solidarität mit den Armen" gepredigt hat, wie es so genannte "Befreiungstheologen" bis heute glauben:


Fünfhundert Seiten dummes Geschwätz, das sich in einem Satz zusammenfassen lässt: "Bitte, bitte, lieber Gott, mach uns alle solidarisch, damit wir das von allen Erarbeitete brüderlich teilen können." Damit hat der Moralverkäufer die vielen Armen, die sich nichts dabei denken, auf seiner Seite; in Wahrheit wird wieder nur das Folgende bewiesen:

"Die größte Tragödie in der Geschichte der Menschheit ist wohl die, dass die Moral von der Religion mit Beschlag belegt wurde."

Arthur C. Clarke

Der Moralverkäufer überträgt das Prinzip der Solidarität, das nur in der Familie oder in einer dörflichen Urgemeinschaft von bis zu 150 Mitmenschen funktioniert, auf eine Volkswirtschaft mit vielen Millionen Menschen, in der dieses Prinzip begreiflicherweise nicht funktioniert. Solange aber genügend Dumme glauben, eine "Moral" könne wichtiger sein als die Regeln der makroökonomischen Grundordnung, lässt sich das arbeitende Volk umso leichter ausbeuten! Die Tragödie ist umso tragischer, als dass sie schon seit Jesus von Nazareth, der kein Prediger, sondern ein Weiser war, zu beenden gewesen wäre:
 

Wahre Nächstenliebe (Eigennutz = Gemeinnutz) beseitigt die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und damit auch Massenarmut und Krieg, führt zur klassenlosen Gesellschaft und zum eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation. Wer aber noch an den "lieben Gott" glaubt, will stattdessen eine Moral verkaufen. Was ist das eigentlich?


Nichts weiter als irgendeine traditionelle Verhaltensweise. Wie soll sich der Mensch aber nun verhalten, damit ein harmonisches Zusammenleben sowohl untereinander als auch mit der Natur möglich wird? Darüber wird seit Jahrtausenden gestritten, und jeder Moralverkäufer glaubt eine "bessere" Moral zu verkaufen als andere Moralverkäufer. Der "Erfolg" sind heute in "Friedenszeiten" 30.000 verhungerte Kinder pro Tag, mit weiterhin steigender Tendenz, von den Umweltschäden ganz zu schweigen. Die einfache Wahrheit: Es gibt keine wie auch immer geartete Moral, die ein harmonisches Zusammenleben sowohl untereinander als auch mit der Natur von mehr als 150 Menschen ermöglicht, denn nur bis zu dieser Grenze können sich alle noch gegenseitig kennen. Bleibt aber die Arbeitsteilung auf 150 Menschen beschränkt, gibt es keine Weiterentwicklung. Darum verharrte der Homo sapiens über einen Zeitraum von etwa 150.000 Jahren auf dieser Stufe des Urkommunismus, der alles andere als ein "paradiesischer Zustand" ist, sondern nur das nackte Überleben.

Für eine kulturelle Weiterentwicklung muss die Arbeitsteilung auf deutlich mehr als 150 Menschen ausgeweitet werden. Dazu ist die Solidarität ungeeignet, denn niemand ist mit anderen solidarisch, die er nicht kennt. Die einzige Motivation und – weil in den Anfängen der Kulturentwicklung das Wissen noch fehlte – auch die einzige Möglichkeit für eine koordinierte Arbeitsteilung zwischen vielen tausend bis zu einigen Millionen war zunächst die Machtausübung des Menschen über andere Menschen oder Menschengruppen. Dazu erfand der Kulturmensch die Götter: durch Schöpfungsmythen im kollektiv Unbewussten einprogrammierte, künstliche Archetypen, um aus Menschen willige "Arbeitsameisen" (Untertanen) zu machen. Eine solche frühe Kultur, eine zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus), war z. B. das vorantike Ägypten der Pharaonen, in der der einfache Arbeiter noch kein selbständig denkender Mensch war, sondern ein beliebig austauschbarer Leibeigener des Pharao. Der einfache Arbeiter dachte sich aber nichts dabei, verrichtete die ihm zugewiesene Arbeit und ließ sich mit einem Häufchen Getreide pro Tag füttern, denn er hatte keine Vergleichsmöglichkeit. Aufgrund der Programmierung seines Unterbewusstseins war er nicht in der Lage, sich ein anderes und besseres Leben, das er hätte begehren können, überhaupt vorzustellen.

Das Bewusstsein des Menschen arbeitet mit Worten und Zahlen, das Unterbewusstsein mit Bildern und Metaphern. Das Unterbewusstsein lässt sich programmieren und damit der Kulturmensch durch selektive geistige Blindheit an eine noch fehlerhafte Makroökonomie anpassen, indem elementare makroökonomische Zusammenhänge mit archetypischen Bildern und Metaphern exakt umschrieben und diese dann mit falschen Assoziationen und Begriffen verknüpft werden, an die der Untertan glaubt. Der Glaube an die falschen Begriffe erzeugt eine geistige Verwirrung, die es dem Programmierten so gut wie unmöglich macht, die makroökonomische Grundordnung, in der er arbeitet, zu verstehen; noch weniger kann er über die Makroökonomie, die in den Grundzügen seine Existenz bestimmt, hinausdenken. Diese Technik, die in früheren Zeiten – etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert – noch eine exakte Wissenschaft war und die nur von eingeweihten Oberpriestern betrieben werden durfte, nennt sich "geistige Beschneidung von Untertanen", bzw. Religion = Rückbindung auf künstliche Archetypen im kollektiv Unbewussten. Auch das, was heute "moderne Zivilisation" genannt wird, entstand aus der Religion:


"Im Anfang war das Wort", was bedeutet: Wer den Text nur gehört oder gelesen, aber ihn nicht verstanden hat, befindet sich im "Programm Genesis" und kommt nicht wieder heraus, bis er den Text verstanden hat. Dass der Text NICHT verstanden wird, ist die Aufgabe aller jüdischen, katholischen und islamischen Priester, auch wenn sie schon lange nicht mehr wissen, was sie tun (die katholischen und islamischen Priester wussten es nie, und die jüdischen Oberpriester etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert). Denn es ist irrelevant, welchen Unsinn die Schweinepriester (seit die Religion schädlich ist, darf man das sagen) von sich geben; Hauptsache, die eigentliche, rein ökonomische Bedeutung des Textes bleibt im Verborgenen und damit die ganze halbwegs zivilisierte Menschheit im längst veralteten Programm. Wer hat etwas davon? Niemand. Außer, dass in "dieser Welt" ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung mit eigentlich sinnfreien Tätigkeiten beschäftigt ist, die von den sinnvoll Beschäftigten mitbezahlt werden müssen. Doch die Einbildung, wir lebten in der "besten aller möglichen Welten", gehört bekanntlich zur so genannten Allgemeinbildung, in der die folgende Weisheit aber nicht vorkommt:

Diejenigen, die sagen: "Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden", sind im Irrtum. Denn er ist zuerst auferstanden und dann gestorben. Wenn jemand nicht zuerst die Auferstehung erwirbt, wird er sterben. 

(Nag Hammadi Library / Philippusevangelium / Spruch 21)

Den elementaren Erkenntnisprozess der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion", der zuerst dem Propheten Jesus von Nazareth gelang, als ein "Herausklettern des toten Jesus aus seinem Grab" zu verkaufen, ist schon mehr als abenteuerlich. Aber bis heute glauben ungezählte Millionen an diesen aberwitzigen Unsinn! Warum? Weil der religiös verblendete "Normalbürger" eine Heidenangst vor der Auferstehung hat, dem endgültigen Ausstieg aus dem "Programm Genesis". Nach dem Ausstieg muss er nämlich erkennen, dass er sich nicht in der "besten aller möglichen Welten" befindet, sondern ganz im Gegenteil in einer Welt der geistig Toten, vor der sich die Augen nun nicht mehr verschließen lassen:

Jesus sagte: Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden. Und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.

(Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 56)

Die Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe (Übergang vom Vielgottglauben zum Eingottglauben) befreite zwar einerseits die Menschheit aus der unbewussten Sklaverei des Ursozialismus, ließ aber andererseits dem bis heute unbewussten Kulturmenschen die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde nicht erkennen, aus der zwangsläufig alle Zivilisationsprobleme erwachsen, die sich überhaupt thematisieren lassen. Jesus erkannte die Erbsünde und fand als erster Denker in der bekannten Geschichte die einzige Lösung (Erlösung) zu ihrer Überwindung. Wo die Menschheit heute wäre, hätte die Moralverkaufs-Mafia der "heiligen katholischen Kirche" das größte Genie aller Zeiten nicht zu einem moralisierenden Wanderprediger degradiert und die originale Heilige Schrift des Urchristentums verbrannt, sprengt jedes Vorstellungsvermögen! Aber es ist nun mal passiert, und selbstverständlich agiert die schlimmste Verbrecher-Organisation der Welt nicht aus Bosheit, sondern aus purer Dummheit, sodass man ihr nicht einmal böse sein kann. Die Volksverdummung durch den Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute "christlich" nennt) war so "erfolgreich", dass noch zwei Weltkriege stattfinden mussten, zwischenzeitlich ein Teil der Menschheit mit der Ersatzreligion des Marxismus wieder in den Staatskapitalismus zurückfiel, und heute die totale atomare Selbstvernichtung droht, während das konkrete Wissen zur endgültigen Überwindung von Massenarmut und Krieg schon seit über einem Jahrhundert erneut zur Verfügung steht:

"Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher. …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen."

(aus "Die neue Lehre vom Geld und Zins", 1911)

Silvio Gesell (1862 – 1930) konnte noch nicht wissen, dass die von ihm im Detail beschriebene Natürliche Wirtschaftsordnung (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) nicht nur der sprichwörtliche, sondern der tatsächliche "Himmel auf Erden" ist, denn die Heiligen Schriften von Nag Hammadi, die das zweifelsfrei beweisen, wurden erst 1945 entdeckt. Aus den vier biblischen Evangelien, die von Anfang an nur für den Moralverkauf erdichtet wurden, ist das nicht mehr zu erkennen. Umso erstaunlicher ist die Leistung des Silvio Gesell (die moderne Physik hat Einstein verstanden, aber die "moderne" VWL noch nicht Gesell), der wie Jesus von Nazareth die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Erbsünde beschrieb, ohne aber zu wissen, was die Erbsünde ist, und ohne Gott erkannt zu haben:

"Und der Baum des ewigen Lebens, wie er in Erscheinung getreten ist durch den Willen Gottes, befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen der Reinen unsterblich mache, die hervorkommen werden aus den Gebilden der Armut zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons. Die Farbe des Baumes des Lebens aber gleicht der Sonne. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen denen der Zypresse. Seine Frucht gleicht einem Bund von Weintrauben, wobei sie weiß ist. Seine Höhe geht hinauf bis in den Himmel.
     Und neben ihm befindet sich der Baum der Erkenntnis, wobei er die Kraft Gottes hat. Seine Herrlichkeit gleicht dem Mond, wenn er sehr leuchtet. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen Feigenblättern. Seine Frucht gleicht guten, appetitanregenden Datteln. Dieser nun befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen aus dem Schlaf der Dämonen erwecke, damit sie zum Baum des Lebens kommen und von seiner Frucht essen und so die Mächte und ihre Engel verurteilen."

(Nag Hammadi Library / Die Schrift ohne Titel / Über die Bäume des Paradieses)

Paradies = freie Marktwirtschaft
Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
Baum des (ewigen) Lebens = Geldkreislauf
Baum der Erkenntnis = Geldverleih
Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
Gott = künstlicher Archetyp "Investor"

"Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."

(Lutherbibel 1984 / Genesis_3,22)

Seit er "aus dem Paradies vertrieben" wurde, d. h. aufgrund der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Privatkapitalismus (Erbsünde) verloren hat, will also der Mensch den "großen Investor" spielen. Darum wurde die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft), in der allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden selbstverständlich werden, bis heute nicht verwirklicht:


Der arme Franz von Assisi konnte nicht wissen, dass keine andere als die erstmalige Erkenntnis der Natürlichen Wirtschaftsordnung das Genie Jesus von Nazareth zur berühmtesten Persönlichkeit der Welt machte, auf der die planetare Zeitrechnung basiert. Aber jeder Tag, an dem heute 30.000 Kinder aufgrund der globalen Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz verhungern müssen, geht auf das Konto der Moralverkaufs-Mafia:


Wer – aus welchen vorgeschobenen Gründen auch immer – die Zusammenhänge nicht verstehen will, muss das spätestens am Jüngsten Tag (gesetzlich verbindliche Ankündigung der freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform in der Bundesrepublik Deutschland) mit dem eigenen Gewissen vereinbaren. Eine schlimmere Strafe für diejenigen, die bis dahin gar nichts verstanden haben, ist kaum vorstellbar. Daher zum Abschluss für alle Moralverkäufer in aller Deutlichkeit: wahre Nächstenliebe = vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz; das einzige Prinzip, das die Machtausübung von Menschen über andere Menschen eliminiert und eine absolut gerechte, langfristig sichere und maximal leistungsfähige Arbeitsteilung zwischen beliebig vielen und eigenverantwortlichen, freien Menschen ermöglicht:



Stefan Wehmeier, 12.11.2013